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Liebt das Gestalten in Handarbeit - Die Gravuren von Eugen Ruhl gehen als Gastgeschenke der Bundesregierung um die ganze Welt. Foto: Uli Deck
Liebt das Gestalten in Handarbeit - Die Gravuren von Eugen Ruhl gehen als Gastgeschenke der Bundesregierung um die ganze Welt. Foto: Uli Deck © Uli Deck
14.12.2011

Mit 80 Jahren noch immer eine ruhige Hand

Gute Augen und eine ruhige Hand braucht Graveurmeister Eugen Ruhl aus Pforzheim für seine filigranen Kunstwerke. Über beides verfügt er noch, was in Anbetracht seines hohen Alters von 80 Jahren keine Selbstverständlichkeit ist. Und er gehört zu den Meistern seines Fachs. Allein im vergangenen Jahr gestaltete er zwei Gedenkmünzen: das Zwei-Euro-Stück mit dem Kloster Maulbronn und die Georg-Büchner-Gedenkmünze.

Hin und wieder arbeitet er auch für prominente Kunden wie Prinz Albert von Monaco oder den thailändi-schen König. Aber inzwischen spürt er auch die Vergänglichkeit. „Sollte ich anfangen zu zittern, dann höre ich auf“, sagt er entschlossen.

Angetan hat es ihm vor allem die Münzprägung. Über einen glücklichen Zufall ist er in jener Künstlerkartei gelandet, auf die das Bundesfinanzministerium zurückgreift, wenn wieder einmal die Kreation einer Gedenkmünze ansteht. Den Grundstein legte er 1988, als er sich an der Gestaltung der Zehn-Mark-Sammlermünze für den Unternehmer Carl Zeiss beteiligte und auf Anhieb den vierten Platz belegte. Zwei Jahre später gewann er den Wettbewerb mit seiner Version von „Kaiser Friedrich I. Barbarossa“.

Ruhl, der mit der linken und rechten Hand gleich gut schreiben kann, arbeitet mit Modellier-Eisen, Rasierpinsel und einem Tiefenmessgerät. Letzteres hat er selbst geschmiedet, gefeilt und abgeschmirgelt. Für einen Prägeentwurf graviert er mit Hilfe dieser Werkzeuge seine Ideen höchstens 0,7 Millimeter tief in eine 20 Millimeter dicke Gipsplatte, von der er später einen Abguss anfertigt.

In der Branche hat er einen guten Ruf. „Zwei solche Erfolge im 80. Lebensjahr, das ist doch toll“, sagt etwa Wolfgang Erzinger, Chefredakteur des Deutschen Münzen Magazins. Seine Leser haben Ruhls Barbarossa-Münze im Jahr 1990 zur „schönsten Münze der Bundes­republik Deutschland“ gewählt.

Das steht auch in dem Album, einem Buch mit moosgrünem Einband, in dem Ruhl Zeitungsartikel, Fotos und Briefe aufbewahrt. Dass er einmal der Bundeskanzlerin die Hand schütteln würde, hätte der gebürtige Enzberger als zehnjähriger Junge wohl nicht gedacht. Sein Hang zum Künstlerischen bildete sich allerdings bereits in jungen Jahren heraus: In der Schule hatte er fast immer beste Noten im Zeichnen.

Heute, 70 Jahre später, hängen in seinem Wohnzimmer Ölbilder an den Wänden, die er selbst gemalt hat. Außerdem entwirft er Spieluhren, Singvogeldosen und Sonnenuhren, die er mit hauchfeinen Ornamenten verziert. Seiner Frau hat er ein kunstvolles Fabergé-Ei kreiert. Für die Pforzheimer Faschingsgesellschaft gestaltet er jedes Jahr den Orden. Alles von Hand. „Mittlerweile wird ja auch viel mit Lasertechnik gearbeitet, aber an eine Handgravur kommt das nicht heran“, sagt er und fügt hinzu: „Linien, die mit einem Laser graviert werden, glänzen nicht, sie sind einfach tot.“

Eugen Ruhl setzt auf alte Techniken, Gewissenhaftigkeit und Ge­nauigkeit. Vielleicht sind seine Werke deshalb so gefragt. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt besitzt eine Tabakdose, die der Pforzheimer Graveurmeister mit einem Jagdmotiv verschönert hat. Und wenn Angela Merkel auf Reisen geht, dann hat sie Gastgeschenke im Gepäck, auf die Ruhl neben dem Bundesadler auch ihre Unterschrift graviert hat.