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Sechs Monate nach dem Mord an dem neun Jahre alten Dennis (Polizeifoto) aus dem niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck sucht die Sonderkommission über das Fernsehen nach neuen Hinweisen. © dpa
15.04.2011

Mordfall Dennis: 40-jähriger Pädagoge gesteht Mordserie

Verden (dpa) - Ein 40 Jahre alter Mann aus Hamburg hat gestanden, Dennis und zwei weitere Jungen getötet zu haben. Zudem habe der Serientäter den Missbrauch mehrerer Kinder zugegeben, teilten Ermittler bei einer Pressekonferenz in Verden (Niedersachsen) am Freitag mit. «Wir sind erleichtert», sagte Uwe Jordan, Leiter der Polizei Verden. Der Mann sei Lehramtsstudent gewesen und dann Pädagoge, sagte der Profiler Alexander Horn. Er sei bereits polizeilich als Sexualtäter in Erscheinung getreten. Der gebürtige Bremer lebte seit zehn Jahren in Hamburg.

Der Mann sei seit seinem 21. Lebensjahr ledig gewesen - und so wenig sozialer Kontrolle unterworfen, hieß es weiter. Er sei in der Jugendbetreuung aktiv gewesen, aktuell sei er in der Erwachsenenbildung tätig. Menschen aus seinem Umkreis beschrieben den 40-Jährigen als sozial unauffällig, hilfsbereit, nett, akkurat und intelligent. «Im Prinzip hat er vermutlich auch eher eine Art doppelte Buchführung betrieben», sagte Horn. Damit entspricht er dem Täterprofil, das die Ermittler entworfen hatten.

Das Amtsgericht Stade habe am Donnerstag Haftbefehl wegen dreifachen Mordes erlassen, hieß es. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Festgenommenen den Mord an dem neunjährigen Dennis K., dem achtjährigen Dennis R. und dem 13 Jahre alten Stefan J. vor. Zudem soll er versucht haben, einen Achtjährigen aus demselben Schullandheim wie Denis K. zu entführen. Der Neunjährige war im September 2001 verschwunden. Die Ermittler prüfen nun, ob dem 40-Jährigen über das Geständnis hinausgehende Taten anzulasten sind.

Neben dem Geständnis wiesen «exklusives Täterwissen» des Mannes, Indizien und Beweismittel darauf hin, dass der 40-Jährige tatsächlich der Täter sei, hieß es weiter. Die Wohnung des Mannes in Hamburg sei am Mittwoch durchsucht worden. «Das äußere Erscheinungsbild entspricht dem der Beschreibung der Opfer vom großen Schwarzen Mann», sagte Martin Erftenbeck, Leiter der SOKO Dennis.

Der mutmaßliche Serienmörder befindet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit in einer Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen. Die Ermittlungen sollen nun zügig weitergeführt werden, erklärten die Fahnder: «Wir rechnen mit einem Prozessbeginn noch in diesem Jahr.»

Rückblick: Anfang September 2001 verschwindet Dennis, bekleidet mit einem Schlafanzugoberteil mit zwei Hunden darauf und einer kurzen Hose unter mysteriösen Umständen aus einem Schullandheim in Wulsbüttel im Kreis Cuxhaven. Die Suche von hunderten Beamten mit mehreren Dutzend Hunden bleibt Tage lang ohne Erfolg. Pilzsammler finden Tage später rund 45 Kilometer von dem Schullandheim entfernt die Leiche. Im August 2010 meldet sich auf einmal nach Fernsehberichten ein neuer Zeuge. Er war in einem dunklen Waldweg bei Bremen an einem Morgen um 4.30 Uhr in jener ersten Septemberwoche joggen. Der Mann ist sich sicher. In einem Opel Omega Caravan sieht er einen bulligen Brillenträger, der damals etwa 30 Jahre alt gewesen sein soll hinter dem Steuer des Autos. Auf dem Rücksitz ein verstörter Junge mit einem Shirt mit zwei Hunden darauf. Er ist sicher: Es war Dennis. „Seine Angaben sind für uns absolut nachvollziehbar und glaubhaft“, sagt der Leiter der „Soko Dennis“, Martin Erftenberg. Dass der Zeuge auch der Täter sein könnte, dafür haben die Fahnder keine Hinweise. Gesucht wird ein Serienmörder. Erst mit dem Tod von Dennis erkennen die Ermittler die Zusammenhänge. Für sie steht fest, der Gesuchte hat zwischen 1992 und 2004 fünf Jungen überwiegend nach dem selben Muster getötet, in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. 40 Kinder hat er sexuell missbraucht. Der Schwerpunkt seiner Taten liegt in der Umgebung von Bremen und in der Hansestadt selbst, die anderen Verbrechen beging er möglicherweise bei Urlaubsfahrten. Schon vor Jahren sagte ein früherer Leiter der „Soko Dennis“ einmal, wenn wir vor ihm stehen, werden wir ihn erkennen. Für Profiler Horn steht fest, Serienmörder können sozial völlig unauffällig sein, ein bürgerliches Leben im Kreise der Familie führen. Dennis, der leidenschaftlich gerne Fußball spielte und seine gelbe Pokemon-Puppe liebte, wäre heute volljährig.

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