nach oben
15.12.2016

Mordfall in Freiburg: Was wir wissen und was nicht

Freiburg (dpa) - In Freiburg ist Mitte Oktober eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und ermordet worden. Anfang November wurde ein Tatverdächtiger festgenommen. Es handelt sich um den Flüchtling Hussein K., er sitzt in Untersuchungshaft. Die Polizei ermittelt in dem Fall, der vielschichtig und unübersichtlich ist.WAS WIR WISSEN:

- Die 19 Jahre alte Medizinstudentin wurde am Fluss Dreisam in Freiburg vergewaltigt, sie starb am Tatort durch Ertrinken. Sie war nachts mit dem Fahrrad alleine auf dem Weg von einer Studenten-Party nach Hause, als sie Opfer des Verbrechens wurde.

- Festgenommen wurde sieben Wochen nach der Tat Hussein K. Am Tatort fanden Ermittler seine DNA-Spuren. Hussein K. äußert sich nicht. Er hat einen Anwalt und sitzt in einem Gefängniskrankenhaus bei Ludwigsburg. Hintergrund ist eine mögliche Suizidgefahr.

- Nach einem Abgleich von Fingerabdrücken steht fest: Hussein K. hat 2013 auf der griechischen Insel Korfu eine 20-jährige Studentin eine hohe Klippe hinabgeworfen. Das Opfer überlebte schwer verletzt.

- Hussein K. wurde für die Tat in Griechenland 2014 wegen versuchten Mordes zu zehn Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt und Ende Oktober 2015 mit Auflagen entlassen. Er sollte sich regelmäßig bei der örtlichen Polizei melden. Nach kurzer Zeit aber tauchte er unter.

- Im November 2015 kam er nach Deutschland, beantragte Asyl und wurde in Freiburg in einer Pflegefamilie untergebracht. Dort lebte er bis zu seiner Festnahme.

WAS WIR NICHT WISSEN:

- Unklar ist den Ermittlern der Tatablauf in Freiburg. Zudem ist offen, ob Hussein K. und das Opfer sich kannten.

- Unklar ist, ob die Studentin in Freiburg ertränkt wurde oder nach dem Sexualverbrechen bewusstlos im Wasser lag und ertrank.

- Offen ist, ob Hussein K. für weitere Taten verantwortlich ist. Die Polizei prüft dies, ohne jedoch konkrete Hinweise zu haben.

- Hussein K. gab bei seiner Einreise 2015 in Deutschland an, er stamme aus Afghanistan und sei 1999 geboren. Verlässliche Dokumente legte er nach Angaben der Freiburger Staatsanwaltschaft nicht vor. Sein Alter und seine Herkunft sind deshalb unklar und werden nun überprüft.

- Unklar ist, wieso die griechischen Sicherheitsbehörden nach dem Abtauchen des Verdächtigen nicht die anderen Staaten informierten. Sie fahndeten nur im eigenen Land. Außerhalb Griechenlands war Hussein K. daher ein unbeschriebenes Blatt.

- Unklar ist, welches Alter und welche Herkunft Hussein K. damals in Griechenland angegeben hat. Medienberichten zufolge behauptete er schon 2013, 17 Jahre alt zu sein.

- Offen ist auch, wann die deutsche Polizei nach dem Abgleich der Fingerabdrücke weitere offizielle Angaben der griechischen Sicherheitsbehörden erhält.

- Offen ist, ob Hussein K. in Deutschland nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angeklagt wird. Dies hängt vom Ergebnis der Altersüberprüfung ab. Wann dieses vorliegt, ist nicht absehbar.