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Demonstranten der rechtsextremen NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten ziehen im Februar 2011 mit einem «Thüringer Heimatschutz»-Transparent durch Jena. Die Killer einer Heilbronner Polizistin und der Döner-Mordserie hatten in den 1990er-Jahren Verbindungen zum rechtsextremen «Thüringer Heimatschutz».
Demonstranten der rechtsextremen NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten ziehen im Februar 2011 mit einem «Thüringer Heimatschutz»-Transparent durch Jena. Die Killer einer Heilbronner Polizistin und der Döner-Mordserie hatten in den 1990er-Jahren Verbindungen zum rechtsextremen «Thüringer Heimatschutz». © Archivbild: dpa
12.11.2011

Mordserie von Neonazis als Teil eines Netzwerks?

Im Fall der Döner-Morde haben die beiden mittlerweile toten Neonazis nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel» ein Geständnis hinterlassen. Auf DVDs, die die Ermittler in dem abgebrannten Wohnhaus der Gruppe in Zwickau fanden, erklärten sie, ihre Gruppe «Nationalsozialistischer Untergrund» sei ein «Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz Taten statt Worte». Die Neonazis bekennen sich dem «Spiegel»-Bericht zufolge dazu, mindestens neun Morde an türkischen und griechischen Einwandern begangen zu haben.

Auch die Tageszeitung «taz» berichtete, auf einer der DVDs sei eine Art Bekennervideo. Nach den Informationen des Blattes würden in einem auf den Datenträgern gespeicherten Clip Zeitungsausschnitte über die Döner-Morde eingeblendet. Zudem werde auf der DVD eine Fortsetzung angekündigt: Genannt werde ein «Nationalsozialistischer Untergrund II», meldete die «taz» unter Berufung auf Sicherheitskreise.

In dem Film, so der "Spiegel", würde sich die Terrorgruppe auch zu dem Bombenanschlag in einer überwiegend von türkischen Einwanderern bewohnten Straße in Köln 2004 bekennen, bei dem 22 Menschen durch Nägel verletzt wurden. Zu sehen sei, so das Nachrichtenmagazin, ein Foto der mutmaßlichen Bombe, bevor sie scharf gemacht wurde. Ein damals gemachtes Video einer Überwachungskamera soll zeigen, wie zwei Männer ein Fahrrad vor einem Haarstudio abstellten, auf dessen Gepäckträger die Bombe deponiert war.

Beate Z., die zu dem in die Döner-Morde verwickelten Neonazi-Trio aus Jena gehört, will nach einem Bericht der «Bild am Sonntag» nur aussagen, wenn ihr als Kronzeugin Strafmilderung zugesichert wird. Das Blatt beruft sich auf Ermittlerkreise. Die 36 Jahre alte Frau sitzt in Untersuchungshaft.

Die mutmaßlich rechtsextremistischen Drahtzieher der so genannten Dönermord-Serie hatten einem Bericht des «Focus» zufolge einen Unterstützer. Demnach hatte ein 37-Jähriger aus Niedersachsen den Verdächtigen vor Jahren gegen Geld seinen Personalausweis überlassen. Damit soll das Wohnmobil gemietet worden sein, in dem sich zwei Männer am 4. November bei Eisenach laut Polizei erschossen, nachdem sie zuvor eine Bank ausgeraubt hatten. Die beiden Männer werden mit den Morden in Verbindung gebracht.

Mit dem Ausweis des Helfers aus Lauenau bei Hannover hatten die Tatverdächtigen dem Magazinbericht zufolge schon im Jahr 2007 ein Wohnmobil gemietet. Damit waren sie unterwegs, als sie in Heilbronn eine 22-jährige Polizistin erschossen haben sollen. Nach der Bluttat sollen sie mit dem Fahrzeug in eine Straßensperre geraten sein, sie wurden aber durchgelassen.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen wollte sich auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa nicht zu dem angeblichen Unterstützer äußern. Die Behörde verwies auf die Zuständigkeit des Bundeskriminalamts und der Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen in dem Fall übernommen haben. Angesichts der Mordserie mutmaßlicher Rechtsextremisten hat der niedersächsische Verfassungsschutz vor einer völlig neuen Qualität rechter Gewalt gewarnt. «Wenn sich der Verdacht bestätigt, haben wir es mit dem schlimmsten Fall rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zu tun», sagte Präsident Hans-Werner Wargel.

Den Sicherheitsbehörden sei zwar bekannt gewesen, dass Rechtsextremisten gut mit Waffen und Sprengstoffen ausgerüstet seien. Konkrete Hinweise auf gezielte Morde habe es bislang aber nicht gegeben. «Angesichts dieser völlig neuen Qualität ist es durchaus gerechtfertigt, hier von rechtsterroristischen Taten zu sprechen», sagte Wargel.

Der 37-jährige mögliche Unterstützer soll wie die Verdächtigen in Jena geboren und zumindest zeitweise Kontakte in die rechtsradikale Szene gehabt haben. Laut «Focus» wurde er kurz nach dem Fund der beiden Leichen von der Polizei in Gewahrsam genommen und über Tage verhört. Für die Überlassung seines Ausweises, den er nicht als gestohlen meldete, soll er mindestens 20.000 Euro kassiert haben.

Hinter dem Heilbronner Polizistenmord und den so genannten Döner-Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer in ganz Deutschland steckt wohl dieselbe Gruppe rechtsextremer Täter. Hinweise auf den Zusammenhang zwischen den Fällen fanden die Ermittler in einem abgebrannten Haus im sächsischen Zwickau, in dem die mutmaßlichen Bankräuber und ihre Komplizin Beate Z. jahrelang unerkannt gelebt hatten. Die 36-Jährige, die sich später der Polizei stellte, soll in dem Versteck das Feuer gelegt haben, um Beweise zu vernichten.

Die Dienstwaffe der Heilbronner Polizistin wurde vor einer Woche in dem Wohnmobil bei Eisenach entdeckt. In der zerstörten Wohnung des Trios fanden Ermittler die Pistole, mit der die Döner-Morde verübt worden waren. Zudem entdeckten sie rechtsextreme Propaganda-Videos, die sich auf eine Gruppe mit dem Namen «Nationalsozialistischer Untergrund» beziehen und auf die Döner-Morde hinweisen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten die Männer und Beate Z. in den 1990er-Jahren Verbindungen zum rechtsextremen «Thüringer Heimatschutz». 1998 verschwand das Trio dann aber aus dem Blick der Verfassungsschützer. dpa