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14.01.2008

Musik aus dem Mund

Bei manchen Menschen liegt das Musikalische einfach in der Familie. Wie bei Marlon Mürle zum Beispiel. Sein Vater und seine Onkel machen alle schon seit langem Musik, spielen alle in einer Band. Marlon nicht. Er braucht keine Band, kein Musikinstrument. Denn Marlon macht Musik mit dem Mund.

Vor zwei Jahren fing der 15-Jährige aus Pforzheim mit dem Beatboxing an. „Ich habe damals ein Lied von einem bekannten Beatboxer gehört“, erinnert er sich. „Mein Vater meinte, das könne unmöglich einer mit dem Mund gemacht haben. Und so habe ich dann geübt, bis ich es selbst konnte.“ Der Vater war beeindruckt – und Marlon selbst auf dem besten Wege zu einem talentierten Nachwuchs-Beatboxer. „Auf einer Freizeit bin ich abends das erste Mal vor Publikum aufgetreten“, erzählt „Looper“, wie sich Marlon als Künstler nennt.

Auftritt vor 3000 Menschen

Seitdem reiht sich Auftritt an Auftritt – mittlerweile sind es schon über 60, in Kneipen, Bars, Cafés oder auf Konzerten – oder auch in der Vorgruppe von Snoop Dogg, 2007 in Zürch, vor 3000 Menschen. „Ich hatte vor einiger Zeit einen Auftritt im ,Dito' hier in Pforzheim, bin aber etwas zu spät gekommen“, so Marlon. „Da hatte ich dann das Glück, mit einem von Snoop Doggs Vorgruppe auftreten zu dürfen – ich wusste überhaupt nicht, wer das ist! Nach dem Auftritt haben wir E-Mail-Adressen ausgetauscht. Und als das Konzert in Zürich angekündigt wurde, habe ich ihn gefragt, ob ich nicht mit ihm und der Vorgruppe dort auftreten könnte. Und er sagte zu.“

Das Beatboxing kam zu Beginn der 80er-Jahre auf. Da es Hobby-Rappern oftmals an technischem Gerät fehlte, wurde der Beatboxer als musikalische Untermalung des Rap bald unabdingbar. Inzwischen ist die Musikerzeugung mit dem Mund jedoch weit mehr als nur eine Basis für Rapper: Künstler wie Rihanna oder Justin Timberlake nutzen die Kunst als Stil-Element in ihren Titeln, reine A-Capella-Gruppen kommen kaum noch ohne Beatboxing aus.

"Exakt wie das Original"

Bei Marlons Auftritten steht das Nachahmen bereits erschienener Songs im Vordergrund. „Die Leute fahren eher auf Bekanntes ab, wenn sie hören, wie ich produzierte Songs aus dem Radio nur mit dem Mund nachmache“, weiß der Jugendliche. Dabei legt er Wert auf Genauigkeit. „Ich achte sehr darauf, dass es sich exakt wie das Original anhört.“ Natürlich braucht das seine Zeit. „Bei komplizierten Liedern muss ich mir erstmal aufschreiben, wie die Beats genau aufgebaut sind, bevor ich mich daran versuche“, erklärt er. Mittlerweile bemüht sich Marlon jedoch auch, eigene Beats zu erfinden.

Obwohl „Looper“ beinahe alle Geräusche eines Schlagzeugs mit dem Mund erzeugen kann, hat er vor kurzer Zeit doch mit dem Schlagzeugspielen angefangen. „Mein Vater meinte, ich sollte das Beatboxing doch mal auf das Schlagzeug übertragen“, sagt der 15-Jährige. Bisher macht ihm das Musikmachen mit dem Mund jedoch deutlich mehr Spaß. „Ich erwische mich sogar dabei, wie ich abends im Bett liege und unbewusst vor mich hin übe“, sagt Marlon lächelnd.

Das eigene Mini-Studio immer dabei

Dieses Jahr will das Nachwuchstalent an den süddeutschen Beatboxing-Meisterschaften teilnehmen – der Vorentscheid für die Deutschland-, die Europa- und die Weltmeisterschaften. „Ich denke dass ich da einen gewissen Altersvorteil habe“, spekuliert Marlon. „Die Leute erwarten nichts Besonderes, wenn da so ein Junger auf die Bühne kommt.“

Dennoch ist er davon überzeugt, dass Beatboxing nicht zum abendfüllenden Programm werden kann. „Später würde ich dann gerne richtig Beats produzieren, im Studio“, sagt er. Was natürlich eine Menge Investitionen erfordert. Doch bis es soweit ist, muss sich Marlon keine Sorgen machen – schließlich hat er sein Mini-Studio immer dabei. Im Mund.