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Neonazi in U-Haft - Foto: dpa
Neonazi in U-Haft © dpa
26.06.2014

Mutmaßlicher Kindesmissbrauchs: Prominenter Neonazi in U-Haft

Der frühere Kopf der Neonazi-Gruppe «Thüringer Heimatschutz», Tino Brandt, sitzt wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs in Untersuchungshaft. Das sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Villwock am Donnerstag in Gera. Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines Kindes habe sich nach Zeugenvernehmungen ergeben.

Die «Thüringer Allgemeine» hatte in ihrer Online-Ausgabe über die Verhaftung des langjährigen V-Mannes berichtet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Brandt zudem wegen des Verdachts der Zuhälterei. Er soll unter anderem minderjährige Jungen sowie Männer an Freier vermittelt haben.

Aufgrund dringenden Tatverdachts habe ein Ermittlungsrichter auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen, sagte Villwock. Für sexuellen Missbrauch von Kindern drohe eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. In der vergangenen Woche hatten Ermittler Brandts Wohnung in Rudolstadt durchsucht. Die Auswertung der dabei beschlagnahmten Mobiltelefone und Computer sei noch nicht abgeschlossen, sagte Villwock. Dies sei sehr aufwendig.

Brandt gilt als einer der bekanntesten Thüringer Rechtsextremen. Er war in den 1990er-Jahren Kopf der Neonazi-Kameradschaft «Thüringer Heimatschutz», der auch die aus Jena stammenden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe angehörten. Zudem war Brandt zeitweise Mitglied im Landesvorstand der rechtsextremen NPD. Er soll als einer der Hauptzeugen im Juli im NSU-Prozess in München aussagen. Einer früheren Ladung hatte sich der 39-Jährige laut Zeitung mit einem ärztlichen Attest entzogen.