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NSU-Angeklagter Carsten S. spricht Angehörigen Mitgefühl aus. Foto: dpa
NSU-Angeklagter Carsten S. spricht Angehörigen Mitgefühl aus © dpa
20.06.2013

NSU-Prozess: Psychiater Leygraf befragt Carsten S.

München. Tag 13 im NSU-Prozess: Während sich die Anklagebank füllt, ist die Besucherempore laut PZ-Gerichtsreporterin Wiebke Ramm fast leer. Heute ist Carsten S. nochmal an der Reihe. Der psychiatrische Sachverständige Norbert Leygraf hat das Fragerecht. Das könnte nochmal spannend werden.

Eigentlich wollten auch die Anwälte von Ralf Wohlleben den Angeklagten Carsten S. befragen, der sich jedoch dagegen weigert.

Am Mittwoch ging es vor allem darum, wie weit sich Carsten S. ab Herbst 2000 tatsächlich aus der rechten Szene gelöst hatte. Der Vertreter der Bundesanwaltschaft warf die Frage auf, ob es wirklich Zufall war, dass der Ausstieg in die Zeit des ersten Mordanschlags der NSU-Terroristen am 9. September 2000 in Nürnberg fiel. Es bestehe ein «nicht ganz unauffälliger» zeitlicher Zusammenhang, merkte Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten an und fragte: «Gibt es da einen inneren Zusammenhang?» Carsten S. verneinte entschieden.

Vertreter der Nebenklage werteten Carsten S.' Ausdruck von Mitgefühl unterschiedlich. Während der Rechtsanwalt Detlef Kolloge, der die Familie des in Rostock ermordeten Yunus Turgut vertritt, von einer «ziemlich überzeugenden» Erklärung sprach, bewertete sein Kollege Yavuz Narin die Erklärung als «nicht überzeugende Schutzbehauptung».