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NSU-Angeklagter war unsicher bei Erkennen von Tatwaff. Foto: dpa 
NSU-Angeklagter war unsicher bei Erkennen von Tatwaffe © dpa
04.07.2013

NSU-Angeklagter war unsicher bei Erkennen von Tatwaffe

München (dpa) - Im NSU-Prozess hat der Angeklagte Carsten S. von Unsicherheiten beim Erkennen der Tatwaffe berichtet. Er hatte gestanden, dass er Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt eine Waffe übergeben hatte.

Dabei soll es sich laut Anklage um die «Ceska» handeln, mit der die Neonazi-Terroristen neun Menschen ermordeten.

In seiner Vernehmung beim Ermittlungsrichter seien ihm nur Kopien schlechter Qualität vorgelegt worden, sagte S. am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht. In einer weiteren Vernehmung beim BKA hätten die Waffen bereits auf dem Tisch gelegen. Nur zwei der Waffen hätten einen Schalldämpfer gehabt. Von einer habe er gedacht, «dass es die sein könnte», meinte S. Dabei handelte es sich um die Mordwaffe. «Hätten da 15 Pistolen mit Schalldämpfer gelegen, die alle so'n Gewinde gehabt hätten, dann wäre das schwieriger geworden.»

Die NSU-Hauptangeklagte Beate Zschäpe soll nur auf Rat ihres Anwalts keine Aussage gemacht haben. Das habe Zschäpe während eines Gefangenentransports erzählt, berichtete ein Ermittler des Bundeskriminalamts am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München.

«Ja, sie wollte das eigentlich, insbesondere als es ihrer Großmutter schlecht ging, um sich bei ihrer Großmutter zu entschuldigen», sagte der Beamte. Sie habe aber gesagt, dass ihr Anwalt davon abrate.

«Wenn sie aussagt, dann vollständig und umfassend», habe sie gesagt, berichtete der Beamte. «Sie sei niemand, der nicht zu ihren Taten steht.» Der BKA-Beamte hatte Zschäpe im Juni 2012 auf einem Transport nach Jena begleitet, damit sie dort ihre Mutter und ihre Großmutter sehen konnte.

Vor Gericht hat sich Zschäpe bislang nicht geäußert. Auf der jeweils vier Stunden langen Fahrt nach Jena und zurück kam sie jedoch mit den Beamten ins Plaudern. «Das lief alles in einer freundlichen Atmosphäre ab», sagte der Beamte. «Die Zeit verging wie im Flug.»

Zschäpe habe sich «sehr, sehr unzufrieden» über ihren Verteidiger Wolfgang Heer geäußert, berichtete der BKA-Beamte. «Er macht ja eigentlich sehr wenig», habe sie gesagt. Über den zweiten Verteidiger Wolfgang Stahl habe sie gesagt, «der hätte immer die gleiche Meinung wie Herr Heer, und darum sei sie ganz froh, sich mal mit uns zu unterhalten», berichtete der Beamte. Zschäpe habe gesagt, sie sei misstrauisch geworden. «Alle um sie herum wollen irgendwas von ihr – entweder in die Presse, oder Geld verdienen oder Ermittlungsansätze. Sie habe da schon ein paranoides Verhalten», gab der Beamte die Äußerungen wieder.

Zschäpe-Verteidiger Stahl fragte, ob das Gespräch dazu dienen sollte, gezielt in das Vertrauensverhältnis zwischen Mandantin und Verteidigung einzugreifen. Der Beamte konterte: «Das Vertrauensverhältnis hat zu diesem Zeitpunkt nicht bestanden, das hat Frau Zschäpe klar zum Ausdruck gebracht.» Die Verteidigung forderte anschließend, die Aussage des Beamten für das Urteil nicht zu verwerten. Es habe sich eigentlich um eine Vernehmung gehandelt; hierüber sei Zschäpe jedoch nicht ausreichend belehrt worden.

Unterdessen widersprach die Bundesanwaltschaft der Vernehmung des Brieffreundes von Beate Zschäpe. Der Kontakt sei für die konkrete Schuld- und Straffrage ohne Bedeutung. Zschäpe hatte aus der Haft einen 26 Seiten langen Brief an einen Strafgefangenen aus Bielefeld geschrieben. Dieser gehörte der Neonazi-Szene in Dortmund an. Vertreter der Nebenklage hatten beantragt, ihn als Zeugen zu hören. Das Gericht hat hierüber noch nicht entschieden.

«Es besteht volles Verständnis, dass die Nebenkläger größtes Interesse daran haben, dass möglichst alles über die Hintergründe aufgeklärt wird», sagte Bundesanwalt Herbert Diemer. «Es soll niemand glauben, dass das Thema NSU mit dem Prozess erledigt wäre.» Der Prozess müsse sich aber schon wegen des Grundsatzes der Beschleunigung auf die Beteiligung der Angeklagten an den konkreten Taten beschränken. Zschäpe wird Mittäterschaft an allen Terroranschlägen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) vorgeworfen, darunter zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge.