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07.12.2015

NSU-Prozess: Bricht Zschäpe am Dienstag ihr Schweigen?

München (dpa) - Im Münchner NSU-Prozess halten es mehrere Prozessbeteiligte für möglich, dass die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe am Dienstag ihr Schweigen bricht. Ihr Verteidiger Mathias Grasel teilte am Wochenende mit, es liege am Gericht, ob ihre Aussage schon am Dienstag oder erst am Mittwoch oder Donnerstag vorgetragen werde.

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In den bisherigen zweieinhalb Jahren des Prozesses hatte Zschäpe eisern geschwiegen. Sie folgte damit der Strategie ihrer drei anderen Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm. Im NSU-Prozess muss sie sich als mutmaßliche Mittäterin für die Serie der zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge verantworten, die dem «Nationalsozialistischen Untergrund» zur Last gelegt werden. Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios.

 Für Dienstag hat das Gericht zunächst einen Kriminalermittler als Zeugen geladen, der über Bankkonten und Bahncards des mitangeklagten mutmaßlichen Terrorhelfers André E. aussagen soll. Allerdings rechnen Prozessbeteiligte damit, dass die Befragung des Zeugen nicht lange dauern werde. Anschließend könne Grasel das Wort erhalten, um die Aussage Zschäpes zu verlesen. Als möglich gilt aber auch, dass Zschäpes Aussage erst am Mittwoch folgt.

Grasel hatte angekündigt, er werde für die Verlesung eine bis eineinhalb Stunden benötigen. Dem «Bayerischen Rundfunk» sagte er außerdem, Zschäpes Erklärung werde sich mit jedem Anklagepunkt der Bundesanwaltschaft auseinandersetzen. Bereits früher hatten Grasel und sein Kanzleikollege Hermann Borchert betont, Zschäpe werde «umfassend» aussagen.

Die Anklageschrift beschreibt den Werdegang des NSU vom Abtauchen in den Untergrund im Jahr 1998 bis zu den Verbrechen des Trios, vor allem den Morden und Sprengstoffanschlägen. Zschäpe wird darin Mittäterschaft vorgeworfen, weil sie von allen Taten gewusst haben und sie als Mitglied der aus drei Personen bestehenden «terroristischen Vereinigung» NSU gebilligt haben soll. Neun der Mordopfer waren Gewerbetreibende türkischer oder griechischer Herkunft. Als Motiv für diese Taten und die beiden Sprengstoffanschläge in Köln nimmt die Bundesanwaltschaft Rassenhass an. Die beiden anderen NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen sich nach einem gescheiterten Banküberfall im November 2011 in Eisenach das Leben genommen haben.

Grasel war der Angeklagten im Sommer als vierter Pflichtverteidiger zur Seite gestellt worden. Vor wenigen Wochen hatte sich Borchert zusätzlich als Wahlverteidiger bei Gericht angemeldet. Grasel wird aus der Staatskasse bezahlt, Borchert nicht. Wer für seine Kosten aufkommt, wollte er auf Anfrage nicht mitteilen. Mit ihren drei ursprünglichen Verteidigern Heer, Stahl und Sturm wird Zschäpe damit von fünf Anwälten vertreten.