nach oben
Das Haus, in dem die Nazikiller-Bande NSU in einer Wohnung lebte, musste nach der Brandstiftung durch Beate Zschäpe abgerissen werden. © dpa
25.06.2013

NSU-Prozess: Experten erklären Zschäpes Brandstiftung in Nazikiller-Wohnung

Es war eine gründliche Brandstiftung: Das Haus in Zwickau musste bis auf die Grundmauern abgerissen werden, nachdem - aller Wahrscheinlichkeit nach - Beate Zschäpe in der gemeinsamen Wohnung der mutmaßlichen NSU-Terroristen Feuer gelegt hatte. An insgesamt 19 Stellen in der Wohnung sei Benzin nachgewiesen worden, erklärte ein Brandermittler der Polizei am Dienstag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München. Diese Brandstiftung ist die einzige Tat, die die Hauptangeklagte Zschäpe unmittelbar selbst begangen haben soll.

Bildergalerie: NSU-Prozess: Nazibraut Zschäpe lachend im Gerichtsaal

Bildergalerie: Die Gesichter der Terrorzelle NSU

Am 4. November 2011 hatten sich Zschäpes mutmaßliche Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen, um der Festnahme nach einem Banküberfall zu entgehen. Daraufhin soll Zschäpe gegen kurz nach drei Uhr nachmittags die gemeinsame Wohnung angezündet haben. Ihr wird deshalb besonders schwere Brandstiftung in Tateinheit mit versuchtem Mord vorgeworfen, weil sich im unmittelbar angrenzenden Gebäudeteil eine 89 Jahre alte Nachbarin aufhielt. Sie konnte aus dem Haus gerettet werden. Zschäpe ist außerdem als Mittäterin an sämtlichen Attentaten des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) angeklagt - darunter zehn Morde.

Während die Frage der Mittäterschaft juristisch durchaus umstritten ist, bezweifelt keiner der Prozessbeteiligten ernsthaft, dass Zschäpe die Wohnung angezündet hat. Der Brandermittler zeigte zahlreiche Fotos des brennenden Hauses. Es habe eine «schlagartige Verbrennung im oberen Bereich» gegeben, so der Ermittler. Der Druck der Explosion sprengte Teile der Außenwand weg, Trümmerstücke lagen im Garten und auf dem Gehweg. Noch in der Nacht flackerten immer wieder Flammen im Dachgeschoss auf. Am nächsten Tag riss ein Bagger das Haus soweit ein, dass es betreten werden konnte.

«Es hat sehr nach Ottokraftstoff, also Benzin gerochen in der Wohnung», so der Kriminalbeamte. Spürhunde erschnüffelten Kraftstoffspuren in der ganzen Wohnung. In den Trümmern fanden die Ermittler insgesamt zwölf Waffen und Munition - darunter jene Pistole der Marke «Ceska», mit der die Terroristen neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet haben sollen. Beate Zschäpe schaute die Bilder der ausgebrannten Wohnung aufmerksam an, aber - wie meist in diesem Prozess - ohne sichtbare Regung.

Die Wohnung, in der das Trio von April 2008 bis November 2011 lebte, war mehrfach gesichert - die Tür hatte eine zusätzliche Verriegelung, mehrere Kameras überwachten die Umgebung. Das Haus wurde im Frühjahr 2012 abgerissen. Die Stadt hatte es erworben, um zu verhindern, dass ein Wallfahrtsort für Rechtsextreme entsteht.