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Die Angeklagte Beate Zschäpe (Zweite von rechts) steht im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München bei ihren Anwälten, Wolfgang Stahl (links), Anja Sturm und Wolfgang Heer. Am Mittwoch werden Zeugen und Sachverständige zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn gehört.
Die Angeklagte Beate Zschäpe (Zweite von rechts) steht im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München bei ihren Anwälten, Wolfgang Stahl (links), Anja Sturm und Wolfgang Heer. Am Mittwoch werden Zeugen und Sachverständige zum Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn gehört. © dpa
22.01.2014

NSU-Prozess: Polizistin Kiesewetter laut Gutachter nach NSU-Anschlag sofort tot

Die Polizistin Michèle Kiesewetter war nach den Schüssen der mutmaßlichen NSU-Terroristen sofort tot. «Weit unter einer Sekunde» habe es gedauert, bis das Gehirn nach dem tödlichen Kopfschuss seine Funktion eingestellt habe, sagte ein Gutachter am Mittwoch im NSU-Prozess.

Der Experte stellte umfangreiche Rekonstruktionen zum Tathergang des Attentats am 25. April 2007 in Heilbronn an. Demnach sieht es danach aus, dass die beiden Schützen von schräg hinten auf die in ihrem Streifenwagen sitzenden Polizisten schossen, die gerade bei geöffneten Türen Pause machten. Kiesewetters Kollege Martin A. überlebte den Kopfschuss; die Kugel wurde in seinem Kopf von einem Teil des Schädelknochens abgelenkt.

Laut Anklage verübten die Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den Anschlag. Sie töteten sich am 4. November 2011, um der Festnahme zu entgehen. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an allen Attentaten des «Nationalsozialistischen Untergrunds» (NSU) angeklagt.

Michèle Kiesewetter stammte aus Thüringen, sie ging in Oberweißbach zur Grundschule. Nach Berichten über angebliche Verbindungen des Neonazi-Trios nach Oberweißbach vernahmen die Ermittler mehr als 200 Zeugen. Das Bundeskriminalamt kam zu dem Ergebnis: Es gebe keine Hinweise auf eine „wie auch immer geartete“ Vorbeziehung zwischen Kiesewetter und den mutmaßlichen Terroristen.

Die Bundesanwaltschaft hält Kiesewetter und ihren Kollegen Martin A. für „Zufallsopfer“ - die Terroristen hätten sie angegriffen, weil sie als Polizisten für den von ihnen verhassten Staat stehen.