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Gedenken im Eingang des S-Bahnhofs Wehrhahn: Hier wurden am 27. Juli 2000 zehn Menschen verletzt, einige lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb. Foto: Jana Bauch
31.07.2018

Nach 18 Jahren Urteil zum Wehrhahn-Anschlag geplant

Düsseldorf (dpa) - Im Prozess um den Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn vor 18 Jahren will das Landgericht heute das Urteil über den Angeklagten verkünden. Der Staatsanwalt hat lebenslange Haft wegen zwölffachen Mordversuchs aus Fremdenhass beantragt. Die Verteidigung fordert einen Freispruch. Der Prozess hatte viele Fragen aufgeworfen, etliche davon werden auch nach der Verhandlung unbeantwortet bleiben.

Bei dem Bombenanschlag waren am 27. Juli 2000 zehn Menschen aus einer zwölfköpfigen Gruppe verletzt worden, einige von ihnen lebensgefährlich. Ein ungeborenes Baby starb. Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um jüdische Zuwanderer aus Osteuropa.

Bildergalerie: 18 Jahre nach Wehrhahn-Bombenanschlag: Urteil erwartet

Der Mann hat Kontakte zur rechten Szene und war bereits unmittelbar nach der Tat unter Verdacht geraten. Dieser hatte sich aber jahrelang nicht erhärten lassen. Erst als ein Häftling aussagte, der Mann habe ihm die Tat gestanden, waren die Ermittlungen wieder aufgenommen worden.

Mehrere Zeugen hatten ihre Aussagen im Prozess allerdings zurückgenommen oder relativiert. Ihnen sei es möglicherweise zuvor bei ihren belastenderen Varianten um Hafterleichterungen oder die Belohnung gegangen, vermuteten die Verteidiger.

Dagegen hatten die vier Nebenkläger-Anwälte den Angeklagten als überführt bezeichnet: Er habe sich in mitgeschnittenen Telefonaten mehrfach verraten. Das Gesamtbild sei eindeutig und beseitige jeden Zweifel. Die Kammer sei im Begriff, «den schwersten Justizfehler in der Geschichte Düsseldorfs zu begehen», hatte Nebenklage-Vertreter Juri Rogner noch gewarnt.

Dennoch zeichnet sich für den 52-Jährigen, der seine Unschuld beteuert, ein Freispruch ab. Vor einigen Wochen war er bereits aus der Untersuchungshaft entlassen worden.