nach oben
Blumen, Gedenktexte und ein Bild erinnern in der Nelson Mandela Schule in Hamburg an die verstorbene Schülerin Chantal. Das elfjährige Mädchen verstarb, nachdem es in seiner Pflegefamilie eine Überdosis Methadon zu sich genommen hatte.
Blumen, Gedenktexte und ein Bild erinnern in der Nelson Mandela Schule in Hamburg an die verstorbene Schülerin Chantal. Das elfjährige Mädchen verstarb, nachdem es in seiner Pflegefamilie eine Überdosis Methadon zu sich genommen hatte. © dpa
30.01.2012

Nach Chantals Tod: Pflegeeltern-Wahl neu regeln

Nach dem Tod der elfjährigen Chantal durch eine Methadon-Vergiftung will Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) sicherstellen, dass kein Kind mehr in die Hände von drogenabhängigen Pflegeeltern gerät. Gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde soll geklärt werden, welche Maßnahmen dafür erforderlich sind. «Wenn es um die Auswahl von Pflegeeltern geht, dürfen Personen mit einer Drogenkarriere künftig keine Chance mehr haben, ein Pflegekind zu bekommen», erklärte der Senator.

Umfrage

Kindstötungen, Misshandlungen, Verwahrlosung - sind unsere Jugendämter überfordert?

Ja 88%
Nein 9%
Weiß nicht 3%
Stimmen gesamt 411

Der Hamburger Bezirk Mitte überprüft laut «Bild»-Zeitung inzwischen die Akten aller 310 Pflegekinder des Bezirks. Dabei gehe es um Auffälligkeiten in den Beurteilungen der Pflegeeltern, berichtet «Bild-Hamburg» in ihrer Montagausgabe und verweist auf Informationen aus der Behörde. Zudem würden bereits seit Ende vergangener Woche die Kinder einzeln in ihren Pflegefamilien aufgesucht und die Lebensumstände in Augenschein genommen.

Chantal war am 16. Januar in der Wohnung der Pflegeeltern im Stadtteil Wilhelmsburg gestorben. Die Pflegeeltern waren beide drogenabhängig und nach eigenen Angaben bereits seit Jahren in einem Methadon-Programm. In der Garage der Familie und im Spind des Vaters am Arbeitsplatz entdeckten die Ermittler Tabletten mit der Ersatzdroge.

Die Sozialbehörde versicherte, dass in Beratungsgesprächen für angehende Pflegeeltern nach Drogen- und Alkoholsucht gefragt werde. «Eine akute Suchtabhängigkeit ist ein Ablehnungsgrund», erklärte ein Behördensprecher. Es sei aber möglich, dass das Jugendamt nichts von einer Methadon-Behandlung wisse. Auch nach dem neuen Bundeskinderschutzgesetz sind behandelnde Ärzte nicht verpflichtet, das Jugendamt zu informieren. Gleichwohl dürfen sie seit Jahresanfang auf Anfrage des Amtes oder von sich aus ihre Schweigepflicht brechen, wenn es um das Wohl eines Kindes geht.

Die Deutsche Kinderhilfe warf der Hamburger Jugendhilfe «krasses Versagen» vor. Dies nun auf den Datenschutz zu schieben, sei ein «perfides Ablenkungsmanöver», erklärte der Vorstandsvorsitzende Georg Ehrmann. «Nicht Datenschutz, sondern Ignoranz und fehlende Fachstandards in der Jugendhilfe behindern Kinderschutz.» Die Deutsche Kinderhilfe fordere bundesweit einheitliche Fachstandards für die Jugendhilfe, für Pflegeeltern, deren Auswahl und deren Überwachung.