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Nervenkrieg in Toulouse: Mehrmals soll der islamistische Serienmörder Angriffe der Polizisten mit automatischen Waffen und Schüssen durch die Türe abgewehrt haben. Jetzt setzen die Polizisten wohl auf eine Zermürbungstaktik. © dpa
21.03.2012

Nervenkrieg in Toulouse: Killer wollte wieder töten

Zermürbungstaktik gegen den mutmaßlichen Serienmörder von Toulouse: Ein Sonderkommando der Polizei hat einen 23-jährigen Franzosen in einem Mietshaus in Toulouse gestellt. Die nervenaufreibende Belagerung dauerte von den frühen Morgenstunden bis in den Abend an.

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Offensichtlich setzte die Elitepolizisten darauf, dass der Mann irgendwann erschöpft kapituliert oder mit wenig Risiko überwältigt werden konnte. Er hatte er bei der Entdeckung mit Schüssen aus automatischen Waffen zwei Polizisten verletzt, die sich der Wohnung näherten. Im Austausch gegen ein Telefon übergab er der Polizei später einen Colt - die mögliche Tatwaffe bei den Morden an insgesamt sieben Menschen in Südfrankreich.

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Bei dem Verdächtigen, den die Polizei über Spuren im Internet ausfindig gemacht hatte, soll es sich um einem dem Terrornetz Al-Kaida nahe stehenden Extremisten namens Mohamed Merah handeln. Im Telefonkontakt mit der Polizei habe er zugegeben, schon für Mittwoch einen weiteren Anschlag gegen einen Soldaten geplant zu haben. Der Mann, ein Franzose algerischer Herkunft, soll in Toulouse und Umgebung drei Soldaten sowie drei jüdische Kinder und einen Rabbiner kaltblütig erschossen haben.

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Im Gespräch mit Polizisten habe er am Mittwoch bedauert, bisher nicht noch mehr Menschen getötet zu haben, sagte der zuständige leitende Staatsanwalt François Molins in Toulouse. Es werde noch ein Auto des Verdächtigen gesucht, im dem sich wahrscheinlich Waffen und Sprengstoff befänden. Ein Motorroller sei ebenso wie eine Kamera gefunden worden.

Merah habe sich gerühmt, Frankreich auf die Knie gezwungen zu haben. Die Elitepolizisten hätten am Mittwoch mehrere Male vergeblich versucht, in Merahs Wohnung einzudringen, in der er sich verschanzt hat. Jedes Mal seien die Polizisten mit Schüssen aus schweren Waffen zurückgedrängt worden. Ein Beamter habe einen Knieschuss erlitten, der andere sei durch seine schusssichere Weste vor schweren Verletzungen bewahrt worden. Nach Analyse ihrer Erkenntnisse hätten sich die Sicherheitskräfte am Vorabend zum sofortigen Zugriff entschlossen.

Der Mann sei zweimal in Afghanistan gewesen, zuletzt Ende 2011. Nach einer Hepatitis-Erkrankung sei er wieder nach Frankreich zurückgekehrt. Merah habe im Gespräch mit Polizisten erklärt, er habe stets allein gehandelt. «Er bedauert nichts«, sagte Molins, der das Alter des Mannes von zunächst 24 auf 23 Jahre korrigierte.

Das von der Polizei umstellte, aber erst gegen Mittag komplett geräumte Mehrfamilienhaus befindet sich in einem ruhigen Wohnviertel der südfranzösischen Stadt. Von dort aus berichtete auch Innenminister Claude Guéant.

Präsident Nicolas Sarkozy und Innenminister Claude Guéant forderten, der Mann solle lebend gefasst werden, damit er sich vor Gericht verantworte. Sarkozy warnte vor Rachegedanken und einer Vermengung von Religion und brutalem Extremismus.

Der mutmaßliche Täter hatte sich nach den Schusswechseln gegenüber einem Polizisten offenbart. Bevor er die Kommunikation gegen Mittag wieder abbrach, betonte der Mann nach Angaben von Minister Guéant, er stehe dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe. Er sei in Afghanistan und Pakistan gewesen sei und habe den gewaltsamen Tod von palästinensischen Kindern rächen wollen. Er habe auch ein Zeichen gegen die französische Militär-Präsenz in Afghanistan setzen wollen.

Mehrere Personen aus seinem Umfeld wurden festgenommen, darunter waren die beiden Schwestern und Brüder sowie die Mutter des Mannes. Ein Bruder sympathisiere mit den extremistischen Salafisten, sagte der Innenminister. Er betonte jedoch, dass der Verdächtige bei seinen Taten allein gehandelt habe. Die Geheimdienste hätten ihn schon seit längerem beobachtet.

Guéant bestätigte, dass die Ermittler ihm kurz nach dem Anschlag auf eine jüdische Schule am Montag über das Internet auf die Spur kamen. Das erste Opfer habe er über eine Internet-Verkaufs-Plattform kontaktiert, wo es sein Motorrad verkaufen wollte. Per Mail wurde ein Treffpunkt vereinbart. Die von Polizisten identifizierte IP-Adresse konnte den Angaben einem Computer zugeordnet werden, der der Mutter des Verdächtigen gehört.

«Das hat bei den Ermittlungen die Wende eingeleitet», erläuterte der Minister. In ersten Berichten war vom Computer des Bruders die Rede, dem Guéant ebenfalls radikale Überzeugungen bescheinigte. Die Mutter habe seit längerem wegen ihrer Nähe zu radikalen Salafisten unter Beobachtung der Ermittler gestanden.

Präsident Sarkozy, der nach Angaben seines Ministers die Nacht über auf dem Laufenden gehalten wurde, traf sich am Vormittag mit Vertretern der Glaubensgemeinschaften. «Frankreich kann nur in der nationalen Einheit groß sein», betonte er in seinem Amtssitz. Der Terrorismus werde die Gesellschaft nicht zerbrechen.

In Jerusalem wurden am Morgen unterdessen die vier Opfer des Mordanschlags auf die jüdische Schule bestattet. Hunderte von Trauergästen versammelten sich auf dem Friedhof, darunter auch der französische Außenminister Alain Juppé. Die Leichen waren in der Nacht per Flugzeug nach Israel gebracht worden. In Jerusalem werden der ermordete Lehrer und Rabbiner mit seinen zwei kleinen Söhnen sowie eine weitere Schülerin beigesetzt. dpa