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Gegen Bundespräsident Christian Wulff gibt es erneut Vorwürfe. Nun überprüft die Staatsanwaltschaft Hannover einen Sylt-Urlaub des Ehepaares Wulff aus dem Jahr 2007
Wulff © dpa
08.02.2012

Neue Vorwürfe gegen Wulff: Staatsanwaltschaft Hannover prüft Sylt-Urlaub

Berlin. Bundespräsident Christian Wulff gerät wegen seiner Urlaube als niedersächsischer Ministerpräsident erneut in die Schlagzeilen. Wie die «Bild»-Zeitung am Mittwoch berichtete, hat der Filmunternehmer David Groenewold für Wulff und dessen spätere Frau Bettina im Herbst 2007 einen viertägigen Hotelaufenthalt auf Sylt gebucht und zunächst bezahlt. Groenewold war zu der Zeit selbst im «Hotel Stadt Hamburg» abgestiegen.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte dazu der «Bild», Groenewold habe die Kosten von 258 Euro pro Nacht lediglich bei der Buchung verauslagt. Wulff habe sie später bar zurückbezahlt.

Anwälte Groenewolds wiesen am Mittwoch die Darstellung der «Bild»-Zeitung zurück, wonach der Unternehmer im Verdacht stehe, er habe im Januar 2012 versucht, die Angelegenheit zu vertuschen. Anwalt Christian-Oliver Moser sagte der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch: «Es gab nicht mal ansatzweise den Versuch meines Mandanten, etwas zu vertuschen.»

«Bild» berichtete, Groenewold habe in dem Hotel angerufen und die Hotelangestellten zu Stillschweigen über den Vorgang verpflichtet. In Notizen des Hotel-Personals, die «Bild» abdruckt, heißt es: «Herr David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keine Infos über ihn rausgeben! Er war 2007 mit Herrn Wulff im HSH und hat den gesamten Aufenthalt übernommen. Falls also Bild oder Spiegel anruft, wir wissen von nichts.»

Groenewold-Anwalt Moser verbreitete einen Brief des «Hotels Stadt Hamburg» an Groenewold. In diesem heißt es, Groenewold habe bei einem Anruf am 16. Januar um vertrauliche Behandlung seiner Unterlagen «insbesondere gegenüber Journalisten» ersucht. Er habe aber zu keinem Zeitpunkt darum gebeten, die Unterlagen zum Aufenthalt «zu vernichten, zu manipulieren oder ähnliches».

Wulff hat Groenewold nach Angaben von Anwalt Moser die Hotel-Übernachtungskosten für die drei Nächte in bar erstattet. Darüber hinaus habe Wulff beim Auschecken aus dem Hotel die Nebenkosten der Übernachtung selbst beglichen, teilte Wulffs Anwalt Lehr mit.

Groenewolds Anwalt Moser sagte der dpa weiter, der Unternehmer sei vor rund drei Wochen nach Sylt gereist, «um sich Kopien aus den Rechnungsunterlagen anzufertigen». Er habe im Vorfeld das Hotel darum gebeten, gegenüber der Presse Diskretion zu wahren.

Es sei unstreitig, dass die Wulffs und Groenewold 2007 zusammen auf Sylt Urlaub gemacht hätten. Auch ein Wulff-Aufenthalt 2008 auf der Insel sei bekannt. «Das ist keine Neuigkeit. Das haben wir immer öffentlich so erklärt», sagte Moser.

Die drei Übernachtungen im Herbst 2007 im «Hotel Stadt Hamburg» auf Sylt seien über einen Reiseveranstalter von Groenewold gebucht worden. Die Bezahlung sei über Gutscheine erfolgt, sagte Moser. Wulff habe das Hotel gar nicht vor Ort direkt bezahlen können.

Groenewold hat nach «Bild»-Angaben für zwei Produktionsgesellschaften eine Millionen-Bürgschaft des Landes Niedersachsen erhalten. Nach früheren Berichten hat der Filmunternehmer auch 2008 beim Münchner Oktoberfest ein 400-Euro-Upgrade für eine Luxussuite im Fünf-Sterne-Hotel «Bayerischer Hof» für das Ehepaar Wulff bezahlt. Von der Übernahme der Kosten habe Wulff aber nichts gewusst, sagt Groenewolds Anwalt. dpa

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