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Gummikugeln, Blut, weinende Kinder und viele Verletzte überschatteten das Referendum in Katalonien. © dpa/PZ
02.10.2017

News to go: 844 Verletzte bei Katalonien-Referendum

Polizei in schwerer Ausrüstung, die auf friedliche Bürger losgeht - so etwas sieht man in Europa heutzutage selten. Neutrale Beobachter hatten vor einem «Frontalzusammenstoß zweier Züge» gewarnt. Und tatsächlich: Gummikugeln, Blut, weinende Kinder und viele Verletzte überschatteten das Referendum in Katalonien.

Bildergalerie: Polizei geht hart gegen Referendum in Katalonien vor

Noch in der Nacht hatte Regierungschef Carles Puigdemont dann die Loslösung der Region von Spanien eingefordert: «Wir haben das Recht gewonnen, einen unabhängigen Staat zu haben», sagte er und konnte sich dabei auf 90 Prozent der Stimmen aus dem «Ja»-Lager stützen. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy nannte die Abstimmung hingegen eine Inszenierung und sprach ihr jede Gültigkeit ab.

Schlagzeilen der Nacht

• Katalanen stimmen für die Unabhängigkeit
• Marseille: IS reklamiert Angriff für sich
• Rheintalbahn: Die Züge rollen wieder
• Brexit: Zehntausende protestieren gegen May
• Nordkorea: Trump brüskiert Tillerson
• Fußball-Bundesliga: München unentschieden, Leipzig siegt

Mensch der Nacht

Mariano Rajoy

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien die «Stärke» des spanischen Staates hervorgehoben. Es habe gestern «kein Referendum, sondern eine Inszenierung» gegeben. «Die Verantwortlichen sind die, die das Gesetz gebrochen haben», sagte er. Rajoy hatte bis zuletzt jeden Dialog mit den Separatisten abgelehnt.

Zahl der Nacht

844

Nach dem gewaltsamen Vorgehen der Polizei gegen Wähler und Demonstranten in Katalonien ist die Zahl der Verletzten am späten Abend weiter gestiegen. Nach Angaben des katalanischen Gesundheitsministeriums mussten sich 844 Bürger während des Referendums über die Unabhängigkeit der Region behandeln lassen.

Zitat der Nacht

"Puh."

(Der bayerische Finanzminister Markus Söder, CSU, gestern bei «Anne Will» auf die Frage der Moderatorin, was an einer möglichen Jamaika-Koalition wirklich toll sei.)

Top-Themen des Tages

Nach Referendum in Katalonien

Bei dem umstrittenen und von Polizeigewalt überschatteten Referendum über die Unabhängigkeit der spanischen Region Katalonien haben sich die Separatisten mit rund 90 Prozent der Stimmen durchgesetzt. An der Abstimmung hätten gut 2,2 Millionen Menschen teilgenommen, teilte ein Sprecher der Regionalregierung mit. Es habe 7,8 Prozent «Nein»-Stimmen gegeben. Beim harten Vorgehen der Polizei waren über 800 Bürger verletzt worden. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy nannte die Abstimmung eine Inszenierung und sprach ihr jede Gültigkeit ab. Kataloniens Regierungschef Carles Puigdemont kündigte noch in der Nacht die baldige Loslösung von Spanien an. Verschiedene Gewerkschaften haben in Katalonien für Dienstag zu einem Generalstreik aufgerufen.

Jury verkündet Nobelpreisträger in Medizin

In Stockholm startet in dieser Woche die Bekanntgabe der diesjährigen Nobelpreisträger. Zunächst wird der Preisträger für Medizin verkündet (11.30 Uhr). Der Medizinnobelpreis ging im vorigen Jahr an den Japaner Yoshinori Ohsumi. Er hatte die lebenswichtige Müllentsorgung in Körperzellen entschlüsselt. Am Dienstag und Mittwoch geben die Jurys die Preisträger für Physik und Chemie bekannt. Am Freitag wird der Friedensnobelpreisträger in Oslo gekürt. Am Montag darauf ist dann der Preis für Wirtschaft an der Reihe. Wann der Literaturnobelpreis verkündet wird, steht noch nicht fest.

Prozess wegen Giftmords an Kim-Halbbruder beginnt in Malaysia

Siebeneinhalb Monate nach dem Giftmord am Halbbruder von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un beginnt in Malaysia der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Täterinnen. Den Frauen wird zur Last gelegt, Kim Jong Nam im Februar auf dem Flughafen von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur mit dem Nervengas VX getötet zu haben. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe.

Zugbetrieb auf der Rheintalbahn ist wieder angelaufen

Nach gut sieben Wochen Sperrung ist der Zugverkehr auf der wichtigen Rheintalbahn-Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden wieder angelaufen. Kurz nach Mitternacht rollte der erste Zug über den reparierten Abschnitt in Rastatt. Die für den gesamten europäischen Bahnverkehr bedeutsame Nord-Süd-Verbindung war seit dem 12. August gesperrt. Damals hatten sich beim Tunnelbau bei Rastatt die Schienen gesenkt, nachdem Wasser und Erdreich eingedrungen waren.

Außerdem interessant

• In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz beginnt das zweitägige Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit (11.00 Uhr).
• Gut fünfeinhalb Jahre nach der islamistischen Mordserie von Toulouse beginnt der Prozess gegen den Bruder des Attentäters.
• Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird bei einer Feierstunde (15.00 Uhr) seinen Platz in der Pariser Akademie der Moralischen und Politischen Wissenschaften einnehmen.
• Angesichts des nahenden Fristendes entscheidet das Land Baden-Württemberg wahrscheinlich über Rechtsmittel gegen das Stuttgarter Fahrverbotsurteil.
• Der Olympia-Held Andreas Toba feiert nach 422 Tagen seine Rückkehr auf die internationale Turnbühne. Für Marcel Nguyen und Andreas Bretschneider geht es Auftakt der WM in Montreal gleich um die Wahrung der Medaillenchancen.
• Conchita Wurst (28, «Rise like a Phoenix») im Münchner Cirkus Krone den Auftakt ihrer Deutschlandtour (20.00 Uhr).

Blick zurück

Heute vor ...

• 20 Jahren unterzeichnen die Außenminister der 15 EU-Staaten in Amsterdam den im Juni ausgehandelten Vertrag zur Reform der Europäischen Union. Er tritt am 1. Mai 1999 in Kraft.
• 45 Jahren stimmen die Dänen mit mehr als 63 Prozent für den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).
• 60 Jahren unterbreitet Polens Außenminister Adam Rapacki der UN-Generalversammlung den nach ihm benannten Plan eines Verbots von Atomwaffen in Mitteleuropa.
• 830 Jahren erobert Saladin Jerusalem für die Araber zurück.

Geburtstag haben heute

• Anne Gesthuysen (48), deutsche Journalistin und Autorin («Wir sind doch Schwestern»)
• Annie Leibovitz (68), amerikanische Fotografin (Buch: «Pilgrimage. Pilgerreisen zu den Kultorten der Welt.»)
• Helga Schütz (80), deutsche Schriftstellerin («Vom Glanz der Elbe») und Drehbuchautorin («Lots Weib»)