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© dpa
26.07.2017

News to go: Autobauer schweigen zu Kartellvorwürfen

Was ist eigentlich los mit der deutschen Autoindustrie? Als hätte der Skandal um manipulierte VW-Dieselmotoren nicht genügt, hagelt es jetzt auch noch Kartellvorwürfe. Etliche Manager dürften sich inzwischen wünschen, einfach nur wieder Autos zu verkaufen. Offiziell schweigen die Hersteller bislang zu den Vorwürfen. Doch nun werden die Quartalszahlen präsentiert - die Gelegenheit, Fragen zu stellen.

Schlagzeilen der Nacht

• US-Repräsentantenhaus für neue Russland-Sanktionen
• Starkregen beschäftigt Bürger und Einsatzkräfte
• Tempelberg: Abbas lässt Beziehungen zu Israel weiter ruhen
• Australien: Kardinal Pell weist Missbrauchsvorwürfe zurück
• Fliegerbombe in Hannover gesprengt
• Großbritannien will offenbar Benziner und Diesel verbieten
• Spanien: Präsident des Fußballverbands suspendiert

Mensch der Nacht: Kardinal George Pell

Begleitet von einem großen Medienaufgebot und eskortiert von Polizisten erschien Kardinal George Pell heute vor einem Gericht in Melbourne. Der 76-Jährige gilt als einer der engsten Vertrauten von Papst Franziskus. Er steht unter Verdacht, sich vor Jahrzehnten als junger Pfarrer in seiner Heimat an Kindern vergangen zu haben.

Zahl der Nacht

Insgesamt 34 000 Haushalte haben nach einem «Bild»-Bericht zwischen Juni 2015 und Mai 2016 zu Unrecht oder zu viel Wohngeld kassiert. Das sei durch einen Datenabgleich der Wohngeld-Ämter mit anderen Behörden aufgefallen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Angaben des Bundesbauministeriums.

Zitat der Nacht

"Sie sind jetzt Trägerin des bayerischen Verdienstordens und müssen alles machen, was die bayerische Staatsregierung für sinnvoll hält."

(Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) beim Staatsempfang nach der Festspielpremiere gestern in Bayreuth, als er Königin Silvia zum Überreichen eines Blumenstraußes auf die Bühne bat.)

Top-Themen des Tages

Kartell-Vorwürfe überschatten Zahlenvorlage der Autobauer

Eigentlich laufen die Geschäfte der Automobilbranche trotz der Dieselkrise besser - überschattet werden die Zahlen nun aber vom Vorwurf mutmaßlicher Kartellabsprachen. Europas größter Hersteller Volkswagen ruft außerplanmäßig seine Aufsichtsräte zusammen - dem Vernehmen nach soll es um die Kartellvorwürfe gehen, über die der «Spiegel» berichtet hatte. Daimler - im zurückliegenden Quartal weiter kräftig gewachsen - legt zugleich seine Halbjahreszahlen vor. Die Zahlen dürften angesichts der Vorwürfe gegen die Branche aber zur Nebensache werden.

EuGH befasst sich mit Grundsatzfragen der Flüchtlingspolitik

Der Europäische Gerichtshof befasst sich mit wichtigen Verfahren zur Flüchtlingskrise (09.30 Uhr). Ein EU-Gutachter bewertet die Klagen Ungarns und der Slowakei gegen die Entscheidung zur EU-Umverteilung von bis zu 120 000 Flüchtlingen aus Italien und Griechenland. Dabei waren die beiden Klageländer im September 2015 zusammen mit Tschechien und Rumänien überstimmt worden. Ein Urteil dazu dürfte im Herbst fallen. Entscheidungen werden dagegen im Laufe des Tages in zwei anderen Fällen zu einem der Grundprinzipien des europäischen Asylsystems erwartet. In Brüssel will EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos am frühen Nachmittag außerdem aktuelle Zahlen zur Umverteilung von Flüchtlingen aus Italien und Griechenland vorstellen.

US-Repräsentantenhaus verabschiedet Entwurf zu Russland-Sanktionen

Das US-Repräsentantenhaus hat mit überwältigender Mehrheit einen Gesetzentwurf zu neuen Sanktionen gegen Russland verabschiedet. Die Abgeordneten stellten damit sicher, dass US-Präsident Donald Trump die Strafmaßnahmen gegen Moskau nicht ohne Zustimmung des Kongresses aufheben kann. Auch der Iran und Nordkorea sollen mit weiteren Sanktionen belegt werden. Die bestehenden Sanktionen gegen Russland sollen punktuell erweitert werden und Gesetzeskraft erhalten. Die Abgeordneten haben es dabei etwa auf den russischen Energiesektor abgesehen, einen Schlüsselsektor der Wirtschaft des Landes. Noch muss der Senat allerdings über den Entwurf abstimmen, dann erst könnte Trump ihn unterzeichnen.

Papst-Vertrauter Pell wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht

Wegen Missbrauchsvorwürfen muss sich einer der engsten Vertrauten von Papst Franziskus, der australische Kardinal George Pell, vor Gericht verantworten. Bei einer ersten Anhörung in der Nacht wies Pell in Melbourne alle Missbrauchsvorwürfe zurück. Sein Anwalt Robert Richter sagte dem Gericht bei der nur fünf Minuten dauernden Verhandlung: «Kardinal Pell plädiert bezüglich aller Vorwürfe auf unschuldig», die Unschuldsvermutung gelte für ihn weiter. Der 76-Jährige war im Gerichtssaal anwesend, sagte selbst aber nichts. Als Termin für die nächste Anhörung wurde der 6. Oktober festgesetzt.

Urteil im Prozess gegen Islamistenführer Sven Lau erwartet

Islamistenführer Sven Lau droht eine mehrjährige Haftstrafe als Terrorhelfer. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft hat der 36-Jährige die islamistische Terrormiliz Jamwa in Syrien mit Personal, Ausrüstung und Geld unterstützt. Die Behörde hat vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht sechseinhalb Jahre Haft gegen Lau beantragt. Nun wird das Urteil erwartet (14.00 Uhr). Es handele sich bei ihm um einen Überzeugungstäter. Unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe habe er den Dschihad in Syrien von Deutschland aus unterstützt. Sein Verteidiger hatte einen Freispruch beantragt.

Neue Zahlen zu Kinderlosigkeit und Geburten

Das Statistische Bundesamt stellt neue Zahlen zur Entwicklung der Geburten und zur Kinderlosigkeit in Deutschland vor (10.00 Uhr). Der sogenannte Mikrozensus gilt als wichtigste Datenquelle zu diesen Fragen. Trotz steigender Geburtenzahlen bleibt Kinderlosigkeit in Deutschland für viele ein Problem. Untersucht wird auch, welche Rolle Bildung und Herkunft der Mütter bei der Zahl der geborenen Kinder spielen. Im Mikrozensus 2016 wurden zum dritten Mal seit 2008 Frauen zur Geburt befragt.