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Heute vor einem Jahr stellte sich Deniz Yücel freiwillig der Polizei in Istanbul.
Heute vor einem Jahr stellte sich Deniz Yücel freiwillig der Polizei in Istanbul. © dpa/PZ
14.02.2018

News to go: Deniz Yücel ein Jahr in Haft

«Mal kannst du vor lauter Gedanken kaum einschlafen, mal döst du stumpf vorm Fernseher ein. Mal bist du morgens voller Tatendrang, mal schaffst du es kaum aus dem Bett. Mal bist du schwer verliebt, mal diskutierst du über die künftige Farbe der Wohnzimmertapeten. Das Leben macht keine Pause, auch nicht im Gefängnis.»

Heute vor einem Jahr stellte sich Deniz Yücel freiwillig der Polizei in Istanbul. Niemand rechnete damals damit, dass der «Welt»-Korrespondent auch am 14. Februar 2018 noch immer ohne Anklage in Untersuchungshaft sitzen würde. «Entweder die Staatsanwaltschaft hat mich vergessen. Oder sie hat noch keine Anweisung dazu erhalten», sagte er Mitte Januar in einem dpa-Interview. «Gerechtigkeit», antwortete Yücel auf die Frage, was ihm nach seiner Ehefrau Dilek Mayatürk-Yücel am meisten fehle. Und was wäre das erste, was er im Falle einer Freilassung machen würde? «Dilek umarmen. Nochmal Dilek umarmen. Alle anderen umarmen, die gekommen sind, um mich abzuholen. Zigarette anzünden. Durchatmen.»

Doch eine baldige Freilassung ist auch nach einem Jahr nicht in Sicht.

Schlagzeilen der Nacht

• SPD: Scholz übernimmt, Nahles kandidiert
• Ein Jahr in Haft: Gabriel fordert Yücels Freilassung
• Ischinger wirft EU Versagen im Syrien-Konflikt vor
• Israelische Polizei empfiehlt Anklage von Netanjahu
• New York: Lebenslange Haft für Chelsea-Bomber
• Niederlande ändert Organspendegesetz

Mensch der Nacht

Benjamin Netanjahu

Nach mehr als einjährigen Ermittlungen empfiehlt Israels Polizei eine Anklage wegen Korruptionsverdachts gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Es seien ausreichend Beweise für Bestechlichkeit, Betrug und Untreue in zwei Fällen gesammelt worden. Netanjahu wies die Korruptionsvorwürfe als «absurd» zurück und sagte, er setze auf einen erneuten Sieg bei den nächsten Wahlen.

Zahl der Nacht

4,5 Milliarden

Die inflationäre Preisentwicklung bei den Fernsehgeldern für die Fußball-Übertragungen der englischen Premier League hat einen Dämpfer erhalten. Ein Großteil der Rechte für Großbritannien wurde für rund 4,5 Milliarden Pfund (rund 5 Milliarden Euro) an den TV-Sender Sky und die BT Group verkauft. Sky, das den größten Teil der Spiele erwarb, zahlt umgerechnet pro Spiel künftig deutlich weniger. Pro Partie sind das rund 9,3 Millionen Pfund. Bislang musste der Sender für ein Spiel rund 11 Millionen Pfund aufbringen.

Zitat der Nacht

Ich scheide ohne Bitterkeit und ohne Groll aus diesem Amt.
(Martin Schulz, gestern, ein letztes Mal als SPD-Chef im Schatten der Willy-Brandt-Skulptur in Berlin)

Top-Themen des Tages

Nach der Nominierung von Andrea Nahles für den SPD-Vorsitz

Als erste Frau an der SPD-Spitze soll Bundestags-Fraktionschefin Andrea Nahles die Partei aus ihrer tiefen Krise führen. Nach dem sofortigen Rückzug des bisherigen Vorsitzenden Martin Schulz nominierten die Spitzengremien der Partei die 47-Jährige einstimmig als dessen Nachfolgerin. Bis zur Wahl am 22. April auf einem Parteitag in Wiesbaden wird der dienstälteste stellvertretende Parteichef Olaf Scholz die Sozialdemokraten kommissarisch führen.

Dänischer Prinz Henrik gestorben

Prinz Henrik, der Mann der dänischen Königin Margrethe II., ist tot. Er starb am späten Dienstagabend friedlich im Alter von 83 Jahren auf Schloss Fredensborg nördlich von Kopenhagen, wie das Königshaus am frühen Morgen mitteilte. Seine Frau und seine beiden Söhne seien an seiner Seite gewesen.

Schlagabtausch der Parteien beim politischen Aschermittwoch

Im Zeichen der nach wie vor offenen Regierungsbildung in Berlin treffen sich die Parteien zum traditionellen politischen Schlagabtausch am Aschermittwoch. Im Mittelpunkt steht Bayern, wo mit der verbalen Auseinandersetzung auch ein Vorgeschmack auf den bevorstehenden Landtagswahlkampf gegeben wird. Der designierte Ministerpräsident Markus Söder wird in Passau auftreten, in Vilshofen wird der kommissarische SPD-Chef Olaf Scholz erwartet.

Bundesamt legt Konjunkturdaten vor: Hält der Aufschwung das Tempo?

Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung von Volkswirten auch zum Jahresende 2017 robust gewachsen. Das Tempo dürfte sich allerdings etwas verringert haben. Wie stark das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Europas größter Volkswirtschaft im vierten Quartal gestiegen ist, gibt das Statistische Bundesamt um 08.00 Uhr anhand vorläufiger Daten bekannt.

Dahlmeier mit dritter Gold-Chance - Auch Rodler favorisiert

Biathletin Laura Dahlmeier greift bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang nach ihrer dritten Goldmedaille. Die siebenmalige Weltmeisterin startet nach ihren Siegen im Sprint und in der Verfolgung auch im Einzel über 15 Kilometer als Favoritin (12.05 Uhr MEZ). Ebenso haben die Rodel-Weltmeister Toni Eggert und Sascha Benecken im Doppelsitzer beste Chancen auf den Olympiasieg.

Ein Jahr in Haft: Lesung und Autokorso für Deniz Yücel

Ein Jahr nach seiner Inhaftierung in der Türkei wollen Prominente und Freunde mit einem Autokorso und einer Lesung in Berlin ihre Solidarität mit dem «Welt»-Korrespondenten Deniz Yücel bekunden. Der Korso soll am Mittwoch in Berlin-Kreuzberg starten und enden. Danach wollen unter anderen der Sänger Herbert Grönemeyer, die Schauspieler Hanna Schygulla und Mark Waschke sowie die Moderatorin Anne Will aus Yücels neuem Buch «Wir sind ja nicht zum Spaß hier» lesen.

Verteidigungsminister diskutieren Pläne für neue Nato-Kommandozentren

Eines von ihnen soll schnellere Truppen- und Materialtransporte innerhalb Europas ermöglichen, das andere Transportwege zwischen Nordamerika und Europa über den Atlantik besser sichern. Nach dpa-Informationen sollen das Logistik-Kommando in Deutschland und das Atlantik-Kommando in den USA angesiedelt werden.

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• Im Prozess um eine mutmaßlich islamistisch motivierte Messerattacke in Hamburg-Barmbek wird das Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten erwartet (09.00 Uhr).
• Um den in der Biobranche anstehenden Generationswechsel, aber auch um spezielle Züchtungen für den Bioanbau geht es bei der um 10.00 Uhr beginnenden Naturkostmesse Biofach in Nürnberg.
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Blick zurück

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• 40 Jahren tritt Hans-Peter Bull (SPD) sein Amt als erster Bundesbeauftragter für den Datenschutz an.

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