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Nico Hofmann will Biografie von Bettina Wulff verfilmen.
Nico Hofmann will Biografie von Bettina Wulff verfilmen © dpa
14.09.2012

Nico Hofmann will Biografie von Bettina Wulff verfilmen - Viel Kritik am Buch

Berlin. Der Produzent und Regisseur Nico Hofmann will die Biografie von Bettina Wulff verfilmen. Er habe sich bereits Monate vor Erscheinen des Buches mit seiner Produktionsfirma Teamworx um die Rechte an dem Stoff beworben, sagte Hofmann der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

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«Mich haben vor allem der Mut und die Offenheit von Bettina Wulff beeindruckt.» Als Darstellerin könne er sich Silke Bodenbender («Erlkönig») vorstellen. Er wolle einen seriöse Film realisieren, «keine Komödie», betonte Hofmann. Sollte die für das Fernsehen geplante Produktion zustande kommen, sei sie nur in enger Zusammenarbeit mit Wulff, der Frau von Ex-Präsident Christian Wulff, denkbar. «Die jetzt erschienene Biografie wird für die Verfilmung nicht ausreichend sein. Vielmehr geht es um eine Vertiefung und Zusammenarbeit.»

So urteilt die „Frankfurter Rundschau“: „Den ehrenwerten Versuch, sich nun als eigenständige Persönlichkeit zu zeigen, konterkariert und entwertet sie mit einem maßlosen Exhibitionismus. ,Für mich steht fest, dass ich auf keinen Fall mehr derart zum Medienereignis werden möchte', schreibt sie in ihrem Buch. Der Satz kann nicht von ihr stammen.“

Sie will also kein „Medienereignis“ mehr sein, und doch wird man Bettina Wulff in den nächsten Tagen in Fernseh-Talkshows sehen, wo sie öffentlich über ihr vieldiskutiertes Privatleben reden wird. Etwa in der ARD-Sendung «Menschen bei Maischberger» oder bei Radio Bremen als Gast von «3nach9». Ob Bettina Wulff auch bei Günther Jauch auftritt, ist noch nicht bekannt.

Das Buch von Bettina Wulff versteht der Politikberater Michael Spreng «auch als Abnabelung von den Affären ihres Mannes». Sie wolle wieder als selbstständige Person wahrgenommen werden, dürfe das aber nicht überziehen. „Nur wenn sich die allgemeine Häme nicht durchsetzt, wird sie bei vielen Menschen als mutige Frau gelten», so Spreng.

Beim Internet-Anbieter Amazon aber scheint dieser Schuss nach hinten loszugehen. Dort hat die Frau des früheren Bundespräsidenten mit ihrer Biografie «Jenseits des Protokolls» eine Welle von Häme und Spott ausgelöst. Sie wird offen angefeindet und wüst beschimpft. Ihr Buch ist zwar erst seit diesem Mittwoch offiziell im Verkauf, bei Amazon aber waren bis zum Nachmittag schon mehr als 150 Rezensionen verfasst. Das vorläufige Ergebnis: 1,5 von 5 Sternen.

Der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat für die Wucht der Ablehnung, die Bettina Wulff nun im Netz entgegenschlägt, folgenden Erklärungsversuch: «Die Inszenierung des Ganzen ist schon etwas befremdlich», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. «Ich denke nicht, dass man ihr nicht glaubt, aber es wirkt alles sehr durchchoreografiert.»

Möglicherweise komme das Buch auch einfach zu früh, sagt Neuberger. Schließlich seien die Wulff-Affäre und der unrühmliche Abgang des Präsidenten den meisten noch sehr deutlich im Gedächtnis. Vorwürfe gegen ihn würden immer noch geprüft. «Und dann kommt da nun der Versuch, das Bild in ein günstigeres Licht zu stellen und vielleicht auch Mitleid zu gewinnen.»

Neuberger sieht Parallelen zu Karl-Theodor von Guttenberg. Der Ex-Verteidigungsminister, der einst über abgeschriebene Passagen in seiner Doktorarbeit stürzte, meldete sich auch bereits kurz nach dem Skandal mit einem Interview-Buch zurück auf dem politischen Parkett. «Das ist taktisch nicht so richtig klug. Ich glaube, dass da noch mehr Gras drüberwachsen muss.»

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