nach oben
Obamas Alptraum: Atomwaffen in Händen von Terroristen © dpa
23.03.2012

Obamas Alptraum: Atomwaffen in Händen von Terroristen

Washington (dpa). Kein anders Thema - außer die Frage seiner Wiederwahl - brennt Barack Obama derzeit so sehr unter den Nägeln wie das iranische Atomprogramm. Schon spekulieren Experten im Pentagon, wann Israel gegen den Iran zuschlagen könnte. Andere warnen vor einem Flächenbrand in Nahost, samt Hunderter toter US-Soldaten. Längst hat Obama Nuklearsicherheit zur Chefsache erklärt. Kein Wunder, dass er den langen Weg zum Nukleargipfel in Seoul (26./27.März) auf sich nimmt - obwohl dort das Thema Iran offiziell gar nicht auf der Tagesordnung steht.

   Formell handelt es sich in Südkorea lediglich um ein Nachfolgetreffen des Atomgipfels vor zwei Jahren in Washington. Im Klartext also um ein diplomatische Schaulaufen samt großer Worte und vollmundiger Absichtserklärungen - aber eben ohne Biss und verbindliche Abmachungen.

   Doch, wie so häufig bei internationalen Konferenzen: Das Wichtigste findet am Rande statt. Auch Chinas Präsident Hu Jintao und Russlands Kremlchef Dmitri Medwedew sind in Seoul dabei. Das Weiße streut, dass Obama beide treffen will - und dass dabei die Dauerbrenner Iran und Nordkorea nicht ausgeklammert werden. Schließlich braucht Obama die Stimmen aus Moskau und Peking im UN-Sicherheitsrat.

   Voller Symbolgehalt ist denn auch Obamas angekündigter Besuch in der demilitarisierten Zone zwischen Südkorea und dem Möchtegern-Atomstaat Nordkorea. Die Botschaft ist klar: Wir haben das Regime in Pjöngjang und seine atomaren Pläne fest im Blick. Im Weißen Haus wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass der Besuch fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffs geplant sei, für den Nordkorea verantwortlich sein soll.

   Obama, der Rhetoriker und Visionär, hat schon früh auf eine Ironie der Geschichte aufmerksam gemacht. «Die Gefahr eines weltweiten Atomkriegs hat sich verringert, das Risiko eines atomaren Angriffs ist gestiegen», warnte er bereits in seiner berühmten Prager Rede kurz nach Amtsanritt, in der er ganz nebenbei den Zukunftstraum einer atomwaffenfreien Welt entwarf («Yes we can») - ohne jedoch konkrete Schritte anzudeuten, wie denn der Weg dorthin aussehen könnte.

   Doch es sind nicht die Arsenale der «offiziellen» und «inoffiziellen» Atommächte, die Obama umtreiben. Sein Alptraum ist, dass radikale und unberechenbare Staatsmänner wie Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad in den Besitz von Nuklearmaterial gelangen. Oder, schlimmer noch, dass die Waffen an Terroristen durchgereicht werden.

  Zwar verkündet das Weiße Haus, seit dem ersten Nukleargipfel vor zwei Jahren habe es Fortschritte gegeben. Damals war - unverbindlich - vereinbart worden, dass Nuklearmaterial sicherer gelagert werden soll, dass Reaktoren weniger hochangereichertes Material benutzen sollen und dass Atomschmuggler mit schärferen Strafen rechnen müssen. In Washington wird auf eine Studie verwiesen, wonach 80 Prozent Zusagen bereits erfüllt seien.

   Doch die Erfolgsmeldungen schmecken schal, angesichts der Tatsache, dass über die beiden «atomaren Sorgenkinder Nummer eins», Iran und Nordkorea, in Seoul offiziell nicht mal geredet werden darf. Immerhin: Pjöngjang warnt bereits, sollte es beim Gipfel eine Stellungnahme zur Nordkoreafrage geben, komme das einer Kriegserklärung gleich. Die ganze Konferenz sei eine «kindische Farce».