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Einfach mal Probe sitzen: Im Fachgeschäft können Kunden die über lokalschatz.de reservierten Waren testen. Foto: pr
Einfach mal Probe sitzen: Im Fachgeschäft können Kunden die über lokalschatz.de reservierten Waren testen. Foto: pr
Oliver Reitz
Oliver Reitz
13.09.2016

Oliver Reitz: Wohnen und Wirken in zentraler Lage

Oliver Reitz, Direktor der Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim, will die Kaufkraft im Herzen der Stadt stärken.

PZ: Wie erklären Sie sich, dass so viele Pforzheimer immer nur über ihre Stadt jammern?

Oliver Reitz: Ob dies wirklich so viele Pforzheimer sind, möchte ich bezweifeln. Leider sind es aber diejenigen, die immer wieder stimmungsbildend wirken. Ich habe zwar ein Ohr für die tatsächlichen Probleme und Defizite, die es zu beheben gilt, aber ich nehme auch wahr, dass viele Bürger und auch Gäste unserer Stadt das Positive loben und ein Auge für die schönen Dinge in Pforzheim haben. So schätzen viele die kurzen Wege, die frischen Produkte aus der Region, die nicht nur beim Wochen- oder Bauernmarkt ein Ausdruck von Qualität sind, oder die Kompetenz bei der Beratung, die der Kunde beispielsweise beim Buchen einer Reise, beim Kauf eines Sportschuhs oder bei der Auswahl geeigneter Kinderspielzeuge erfährt.

PZ: Die Konkurrenz ist allerorten, und Pforzheim in der undankbaren Sandwich-Lage zwischen Karlsruhe und Stuttgart. Dort wird gebaut, was das Zeug hält. Was muss Pforzheim tun, um am Ball zu bleiben?

Oliver Reitz: Pforzheim muss sicherlich nicht bauen, was das Zeug hält. Aber wir müssen das Angebot sinnvoll ergänzen. Gerade im Bereich der Innenstadt mangelt es an ausreichend großen und gut geschnittenen Ladenlokalen. Ebenso vertrete ich die Ansicht, dass Büroflächen in den Kernbereich der Stadt gehören und nicht auf die grüne Wiese. Menschen, die in der Innenstadt arbeiten, stärken auch die Kaufkraft im Herzen der Stadt. Und nicht zuletzt muss auch das Wohnen in zentraler Lage wieder gefördert werden, um durch attraktive Angebote beispielsweise am Schloßberg oder am Enzufer die steigende Nachfrage decken zu können.

PZ: Die Kaufkraft lässt sich nicht ins Unendliche steigern, eher das Gegenteil ist der Fall. Und: Der lokale Handel hat durch Mitbewerber der benachbarten Großstädte Konkurrenz, auch der Internethandel bereitet der Geschäftswelt vor Ort Sorgen.

Wie ist da Ihre Sicht der Dinge?

Oliver Reitz: In der Tat muss man diese sich rasch ändernden Rahmenbedingungen sehr ernst nehmen, aber man darf sie nicht nur als Gefährdung betrachten, sondern muss auch die Chancen ergreifen, die sich vor allem durch eine enge Kopplung von stationärem und onlinebasiertem Handel bieten. Der Vertriebs- und Kommunikationskanal per Internet bietet auch für den in Pforzheim ansässigen Einzelhändler neue Per-spektiven. Kunden können auf qualifizierte Weise angesprochen und später als Stammkunden „gepflegt“ werden. Kopplungsgeschäfte mit anderen Anbietern können eine deutliche Angebotserweiterung auch beim Service bieten.

PZ: Sie sind viel herumgekommen. Wird woanders auch so viel gejammert?

Oliver Reitz: Bei der Wahrnehmung von Problemen vor der eigenen Haustür schaut man selten über den räumlichen Tellerrand. Wenn man aber marode Straßen in einigen Städten in Nordrhein-Westfalen oder ein deutlich defizitäres Einzelhandelsangebot in vergleichbaren Städten mit rund 120.000 Einwohnern als Vergleichsmaßstab heranzieht, darf man die Gegebenheiten in Pforzheim wirklich als überdurchschnittlich betrachten. Und dass wir grundsätzlich gut aufgestellt sind, belegen ja auch die Ansiedlungsbekundungen von Einzelhändlern oder Gastronomen, mit denen wir im engen Austausch stehen, die aber leider nicht für jede Art von Waren- oder Dienstleistungsangebot eine möglichst optimale Fläche finden.