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Die deutschen Schauspieler Armin Rohde und Diana Amft nach einer verlorenen Wette in vertauschten Kleidern in der ZDF-Show "Wetten, dass..?" in Halle.

PZ-zapp: Holadrijö-Desaster bei "Wetten, dass...?"

Eigentlich wollte ich am Samstagabend „Wetten, dass...“ sehen und nicht den „Musikantenstadl“. Dass ich den ganzen Abend über das Gefühl hatte, den falschen Sender eingeschaltet zu haben, war dann doch zu viel für mein vom glatt gebügelten Strahlemann Markus Lanz ohnehin schon geplagtes Nervenkostüm. Nach diesem Overkill an Volksmusik-Holodrijödulijö ist diese Sendung für mich endgültig erledigt.

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ZDF-Wettshowklassiker im Quotentief

Hat das Konzept der ZDF-Show "Wetten, dass...?" noch Zukunft?
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Da würde es auch nicht mehr helfen, wenn Dampfplauderer, Bussi-Bussi-Stichwortgeber und Nonsensanzugsträger Thomas Gottschalk wieder den Gastgeber mimen würde. „Wetten, dass...“ als große Samstagabendshow hat sich überlebt. Das Beste sind immer noch die Wetten. Das Fadeste ist das substanzlose Gestammel auf der Couch, das sich ewig in die Länge zieht, nur weil jemand gerade einen neuen Film ins Kino bringt oder eine neue CD herausgebracht hat oder gerade auf Tournee geht und dem entsprechend Gratiswerbung im ZDF braucht.

Da platzt doch eine Seifenblase nach der anderen, wenn da gepflegte Ödnis auf der Couch zelebriert wird. Nicht umsonst verschwinden viele Stars gleich nach dem Auftritt. Wer will schon aus Langeweile vor fremdem Publikumauf einer Couch sterben.

Okay, das ZDF ist als Sender für Senioren bekannt. Aber muss man denn dieser Familienshow den Todesstoß versetzen, wenn man alle jodeln und volkstümeln lässt? Muss denn in jeder Sendung das Dirndl schwingen, bloß damit die Hundertjährigen vor der Glotze mitklatschen und in seligen Erinnerungen schwelgen können? Wenn das jetzt die zentrale Zielgruppe ist, reicht es, wenn Dauerlächler Florian Silbereisen die Moderation übernimmt und statt Celine Dion noch einmal Rex Gildo oder Alexandra ausgegraben und auf der Couch platziert werden.

Lanz will witzig sein und fragt Blödsinn. Was man halt so fragt, wenn man ein bisschen witzig sein will, ohne in die Tiefe zu gehen, ohne den Interviewpartner aus der Reserve zu locken. Lanz will nahe beim Publikum sein und verwechselt Halle mit Lepizig. Irgendwie Osten war ja richtig, aber wenn ich Beifall in der Halle in Halle nahe Leipzig oder so provozieren will, dann brauche ich eben etwas mehr Detailkenntnis.

Mir ist Lanz einfach zu sauber, zu klinisch rein. Ohne Ecken und Kanten. Gottschalk hatte wenigstens Macken und irrwitzige Anzüge. Aber mal ehrlich: Zuletzt war auch bei Gottschalk die Luft raus. Das Konzept „Wetten, dass...?“ funktioniert nicht mehr. Nicht mit Lanz, nicht mit der Couch. Wenn man die Wetten nacheinander zeigen und Lanz rausschneiden würde, wäre die Sendung wieder spannend.

Und wie sieht das der Rest von Deutschland? Nur 6,55 Millionen verfolgten die Show – so wenig wie noch nie. Jedoch reichte es immer noch zur stärksten Sendung des Abends - was nicht unbedingt für die Qualität der Sendungen spricht. Vor einem Jahr hatte Lanz mit der November-Ausgabe mehr als 10 Millionen vor den Bildschirm gelockt.

Aber: Lanz war trotzdem Quotenkönig. Stärkster Konkurrent war an diesem Samstag die gleichfalls öde RTL-Show „Das Supertalent“ mit der Jury um Dieter Bohlen, die sich 4,86 Millionen Menschen ansahen. Das ARD-Kriegsdrama «Rommel» lag mit 2,85 Millionen Zuschauern auf Platz drei. Die größten Gewinner waren wahrscheinlich die Mitmenschen, die am Samstag den Fernseher ausgeschaltet ließen.