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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
22.10.2018

PZ-zapp: Münchner "Tatort: KI" scheitert an künstlicher Intelligenz

Ob das in diesem Jahrzehnt noch einmal etwas wird mit „Tatort“-Filmen und der irren neuen Computerwelt und der bösartigen künstlichen Intelligenz? Im Münchner „Tatort: KI“ steht so ein sprechener Computer, der Personen erkennt und scheinbar fast wie ein Mensch autonom lernt und selbstständig denkt, im Zentrum einer Geschichte mit vielen Handlungsfäden, die im besten Fall seelenlos irgendwie verknüpft werden oder leider zu oft irgendwo im Nichts verlaufen. Den TV-Abend hätte man sich auch schenken können.

Dabei ist die Frage, was uns künstliche Intelligenz für Vorteile und Gefahren bringt, durchaus von zentraler Bedeutung. Kameras, ausgeklügelte Software und blitzschnelle Rechner erlauben es uns schon, beim Autofahren die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Pflegeroboter sollen bald den Personalnotstand in Seniorenheimen mildern. Interaktive Webseiten bieten uns einen helfenden Dialog an, bei dem wir nicht wissen, ob uns eine Maschine oder ein Mensch antwortet und Tipps gibt.

Aber sind ausgerechnet die in Ehren ergrauten Ermittler Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) die richtigen Computerversteher, die uns ahnungslos staunenden Zuschauern glaubwürdig erzählen können, wie das mit Chatbots, Clouds und sich selbst optimierenden Algorithmen funktioniert?

Ich glaube, das passt nicht - auch wenn Leitmayr und Batic erstaunlich sicher bei den Ermittlungen über die neue Cyberwelt mitreden können und scheinbar fehlerfrei mit der künstlichen Intelligenz „Maria“ kommunizieren. Das wirkt halt etwas unglaubwürdig. Und das gilt auch mal mehr, mal weniger fürs restliche Personal des Münchner „Tatorts“.

Da sitzen die beiden altgedienten Ermittler vor einem Bildschirm, in dem ein Kreis blinkt und pulsiert, und reden mit… Ja, mit was eigentlich? Einem künstlichen Wesen? Einem alles wissenden und alles wissen wollenden Ding im Bildschirm? „Maria“ sucht das Gespräch, stellt beharrlich Fragen. Ihr Ziel: Eine Antwort darauf zu finden, wie eine Maschine, ein Algorithmus lernen können, Gefühle zu verstehen beziehungsweise diese auch zu vermitteln.

Jenes Empfinden und Transportieren von Maschinen-Gefühlen kommt im Film noch etwas hölzern daher. Umso unglaubwürdiger wirkt das Verhalten der Tochter eines früheren Batic-Kollegen, die nur noch mit „Maria“ kommunizieren will und ihr sogar Selbstmordgedanken beichtet. Als das Mädchen dann spurlos verschwunden ist, sieht man die künstliche Intelligenz ganz besonders kritisch. Das kann ja nur etwas Schreckliches sein, das Kinder ins Unglück stürzt. Noch viel schlimmer als die Handys, in die der Nachwuchs stundenlang gebannt glotzt.

Am Ende hilft „Maria“ bei der Auflösung des Falls. Dem Film hilft das aber nicht. Der Münchner „Tatort“ bleibt allenfalls Mittelmaß und erhält gerade noch den „Geht so“-Daumen.