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PZ-zapp: Ulmen und Tschirner glänzen im "Tatort: Die fette Hoppe"

Man darf als Pforzheimer nicht hochnäsig sein, doch zwischen Karlsruhe und Stuttgart lebt es sich hier eigentlich recht großstädtisch. Dagegen ist das 63.000 Seelen zählende Weimar irgendwo in Thüringen doch tiefste Ossi-Provinz. Aber: Weimar mit seiner hausbackenen Denker-und-Dichter-Tradition hat etwas, wovon Pforzheim nur träumen kann: ein eigenes und mit Christian Ulmen und Nora Tschirner exzellent besetztes „Tatort“-Ermittlerpaar.

Der „Tatort: Die fette Hoppe“ hat gezeigt, dass die ARD-Sonntagskrimireihe immer noch für positive Überraschungen und sogar für einen makabren, schwarzen Humor gut ist. Ein Superdebut.

Ein bisschen hat mich die Weimar-Premiere an die skurrile Komödie „Immer Ärger mit Harry“ erinnert, an das Meisterwerk von Alfred Hitchcoc, in dem der Hochspannungsspezialist seinen typisch englischen, trockenen Humor ausleben durfte. In dem kleinen amerikanischen Hinterwäldlerdorf des Hitchcock-Klassikers wie auch im „Tatort“ aus Weimar verschwindet eine Leiche, die dann an anderer Stelle wieder auftaucht, um kurz darauf wieder fortbewegt zu werden.

Die erzkapitalistische, ungeliebte Wurstkönigin Hoppe wird vermisst. Ihr Blut im Kofferraum ihres Autos lässt Böses ahnen. Verdächtige gibt es genug: der kunstsinnige und so gar nicht zum Metzger geborene Sohn, seine heiße Geliebte und zweifache Witwe mit männermordendem Ruf, ein Touristen herumfahrender Kutscher mit stetem Griff zum Flachmann und eine im Leben und in der Liebe zu kurz gekommene, aber resolute Beamtin mit Hang zur Bestechlichkeit. Wer hat denn nun die gefürchtete Wurstkönigin erschlagen, erwürgt und verbluten lassen? Wer ließ die Leiche verschwinden, wer platzierte sie, tiefgefroren und stocksteif, auf eine Hollywoodschaukel, wer holte sie dort wieder ab? Das hätte Slapstick werden können, blieb aber ein famoser, bei allen überraschenden und makabren Wendungen spannender Krimi mit herrlichen Dialogen.

Dass sich die Ermittler Lessing (Ulmer) und die hochschwangere Kira Dorn (Tschirner) näher kommen, lag in der Luft. Dass sie schon länger ein heimliches Liebespaar sind, hat dem „Tatort“ nicht geschadet. Das neckische Paar spielt mit herrlicher Ironie und geprägt von einer überaus angenehmen, in vielen „Tatort“-Episoden schmerzlich vermissten Leichtigkeit.

Wortwitz, wie das Beispiel vom tot im Motorraum des Dienstwagens vor sich hinstinkenden „Selbstmarder“ zeigt, ist hier nicht die Ausnahme. Dafür tritt in „Die fette Hoppe“ das düstere Sozialsiedlungs-Grau und die frustrierende Beziehungsdrama-Öde in den Hintergrund.

Ob die besondere Spritzigkeit an den Schauspielern liegt? Ulmen und Tschirner haben MTV-Erfahrung, Palina Rojinski, Schwarze Witwe und Geliebte des „Würstchens“ und Erben der Hoppe-Metzgerei, war bei MTV und Viva zu sehen und tobt sich sonst in der Trash-Show "Circus HalliGalli" aus. Warum auch nicht? Im ersten „Tatort“ aus Weimar passen die MTV-Nasen wie selbstverständlich ins Herz der deutschen klassischen Literatur. Goethe und Schiller waren gestern – Weimar ist jetzt „Tatort“-City. Nur gut, dass eine zweite Episode schon fest geplant ist. So machen Krimis aus der Ossi-Provinz richtig Spaß.