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Als neuer Trainer des TSV Phönix Lomersheim steht Simon Roller noch nicht ganz auf der Sonnenseite. Foto: Fotomoment
Als neuer Trainer des TSV Phönix Lomersheim steht Simon Roller noch nicht ganz auf der Sonnenseite. Foto: Fotomoment
02.01.2017

PZ-Interview mit Simon Roller, Trainer des TSV Phönix Lomersheim: „Wir haben genügend Spiele verloren“

In der Fußball-Bezirksliga überwintert der TSV Phönix Lomersheim auf einem Abstiegsplatz. Club-Urgestein Simon Roller als der neue Trainer ist dennoch optimistisch, dass es einmal mehr zum Klassenverbleib reicht.

PZ: Man kann den Eindruck gewinnen, dass nicht mehr alle Trainer in Fußball eine Saison unbedingt zu Ende bringen wollen. In der Bundesliga fand es André Schubert kürzlich ganz in Ordnung, dass sich Borussia Mönchengladbach von ihm trennte. Und vor allem hat es beim TSV Phönix Lomersheim und zwei, drei anderen lokalen Vereinen Rücktritte gegeben ...

Simon Roller: Letztlich hat aber jeder seine eigenen Gründe. Bei uns waren es bei Steffen Domes rein berufliche und zeitliche Gründe, die ihn zum Abschied bewogen haben. Klar spielt es auch mal eine Rolle, wie die Ergebnisse sind, wie es harmoniert, aber über andere kann ich nicht urteilen.

PZ: r Sie als Trainer von Lomersheim II haben die Chance, zur ersten Mannschaft aufzurücken, dankbar angenommen ...

Simon Roller: Was heißt dankbar angenommen? Als der Verein mich gefragt hat, habe ich nicht lange überlegen müssen: Sie können auf mich zählen, ich möchte auch etwas zurückgeben und mache das gerne.

PZ: Erstmal war aber ungewiss, ob Sie bis zum Saisonende bleiben sollten ...

Simon Roller: Ja gut, es musste vom einen auf den anderen Tag entschieden werden. Da hat man erstmal bis zur Winterpause geplant. Vor einigen Wochen war dann klar, dass es zumindest mal bis zum Saisonende gehen soll.

PZ: Unter Ihnen gab es bisher drei Siege und fünf Niederlagen. Auch wenn Sie die Bilanz ausbaufähig finden, könnte es für den Klassenverbleib reichen, wenn es so weitergeht, oder?

Simon Roller: Gut, es sind noch 15 Spiele, also 45 Punkte sind zu vergeben. Die Kernaufgabe ist klar, wir müssen positive Ergebnisse liefern, es wird auch mal reichen müssen, ein Tor zu schießen. Wir wollen es jedem Gegner so schwer wie möglich machen, uns zu schlagen.

PZ: Nebenbei: Hat sich Ihre persönliche Bilanz eigentlich verbessert, denn mit der Zweiten hatten Sie zu Saisonbeginn ja einige Niederlagen kassiert?

Simon Roller: Als ich wechselte, hatte die Zweite gerade zwei oder drei Siege in Folge. Sicher wurde ich da ein bisschen herausgerissen, weil alles so langsam ins Rollen kam. Bei der zweiten Mannschaft ist man aber auch immer davon abhängig, was von der ersten abfällt. Aber bei der zweiten läuft es ja nun auch relativ gut, meine Aufgabe ist aber eine andere.

PZ: Was ist zu tun?

Simon Roller: Wir müssen unsere Qualität abrufen. Dass es funktioniert, hat man gesehen, als wir gleich zwei Siege geschafft haben. Dann gab`s einen Durchhänger mit drei Niederlagen, dann haben wir wieder einen Dreier geholt. Ein wenig hat aber noch die Konstanz gefehlt. Wir müssen übers Kollektiv kommen, ballorientiert, kompakt und zielstrebig spielen. Wir müssen selbstbewusst sein, mutig sein, aber auch Stabilität reinbringen und mal weniger Tore kassieren.

PZ: Aus dem Kollektiv sticht einer allerdings heraus: Der frühere KSC-Nachwuchsspieler Sebastian Fischer hat bereits zwölf Tore erzielt und war nicht einmal in jedem Spiel dabei.

Simon Roller: Er hat ein Drittel unserer Tore gemacht und praktisch ein Tor pro Spiel. Sebastian hat eine enorme Qualität, allein durch seine Erfahrung und seine Art, wie er Fußball spielt, hilft er uns enorm. Er ist natürlich für den Gegner ein schwer einzuschätzender beziehungsweise einzufangender Gegenspieler. Als Trainer bin ich natürlich froh, wenn er dabei ist, aber die neun anderen Feldspieler müssen genauso gierig sein, Tore zu schießen. Wir müssen auch nicht immer meinen, dass wir nicht gut spielen, wenn er nicht da ist.

PZ: Fischer ist sicher weniger der Gerd-Müller-Typ, sondern ein schneller Stürmer ...

Simon Roller: Er kommt schon mehr über die 1-gegen-1-Situationen und über die Geschwindigkeit, als dass ihm das statische Spiel in der Mitte liegt.

PZ: Er ist also ein ganz anderer Stürmer, als Sie es waren ...

Simon Roller: Er ist eher einer, der sich die Bälle in der Tiefe holt und dann mit Tempo in den 16er eindringt. Seine Art Fußball zu spielen hilft uns enorm und bringt auch immer ein Stück weit Entlastung. Er hat andere Qualitäten als ich. Vielleicht hat er aber auch Qualitäten nicht, die ich hatte, wie Kopfballspiel. Auch die 16-Meter-Hoheit ist vielleicht nicht so sein Spiel.

PZ: Fünf Punkte Abstand auf die Nichtabstiegsränge ist zumindest auf den ersten Blick viel.

Simon Roller: Nach der Winterpause beginnt die Jagd gleich gegen Hellas Bietigheim. Die sind nur einen Punkt vor uns. Wir brauchen nicht drumrumreden, dass das ein wichtiges und richtungsweisendes Spiel ist. Darauf arbeiten wir in der fünfwöchigen Vorbereitung hin. Da kann man auch in Sachen Selbstvertrauen einen Grundstein für die nächsten Wochen legen. Da lernen uns die anderen mal richtig kennen: Wir haben jetzt nämlich genügend Spiele verloren.

PZ: Wie wichtig ist es denn für Phönix, in der Liga zu bleiben?

Simon Roller: Da gibt es keine zwei Meinungen: Der Verein möchte dieses Niveau halten, weiter Klassenhöchster im Bereich Mühlacker sein, und die Jungs sind genauso eiß. Sie wollen und werden auch in den nächsten Jahren Bezirksliga spielen.

PZ: Sie selbst sind schon lange dabei, aber können Sie sich etwas anderes als Überlebenskampf mit Phönix in der Bezirksliga erinnern?

Simon Roller: Wir hatten schon Jahre, in denen wir weiter vorne standen. Zu Zeiten von Eberhard Carl waren wir mal Neunter, Zehnter, Elfter. Aber klar, immer wieder haben wir uns erst kurz vor Toreschluss gesichert. Es wäre schon schöner, zur Winterpause mal mehr Punkte zu haben, im gesicherten Mittelfeld zu sein ...

PZ: Laut Phönix-Homepage hieß sogar das Saisonziel „gesichertes Mittelfeld“ ...

Simon Roller: Richtig, man hat sich auch aufgrund von Neuzugängen mehr erwartet. Aber es gab dann immer auch Fehlzeiten wichtiger Spieler.

PZ: Kann sich personell positiv oder negativ noch etwas tun?

Simon Roller: Wenn es die Möglichkeit gibt, einen Spieler, der uns weiterbringt zu verpflichten, sind wir nicht abgeneigt. Aber die Qualität im Kader ist schon sehr groß und ich habe Vertrauen in jeden Einzelnen. Einige zuletzt verhindert oder verletzt waren, kommen zurück. Anzeichen dafür, dass einer geht, gibt es nicht.

PZ: Wie weit ist die Liga-Spitze entfernt?

Simon Roller: Eine gewisse Ausgeglichenheit ist da. Da wir im Amateursport sind, sage ich, Fußball ist immer Kopfsache, Wenn der Kopf mitspielt, kann man auch gegen die Vorderen etwas holen.

PZ: Ihr Vorgänger Steffen Domes hat Jule Stotz mal nach einer Viertelstunde vom Feld geholt. Auch wenn der Spieler das bemerkenswert gelassen genommen hat: Muss man als Trainer sehr aufpassen, dass man nicht ganz leicht Spieler verprellt?

Simon Roller: Letztlich geht es nicht um Personen, sondern um den Erfolg. Einen schlechten Tag muss man jedem zugestehen. Ich denke, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet, versteht einer den anderen.

PZ: Phönix sucht immer wiederTrainer mit gutem Namen und dem Blick von außen. Denken Sie, das hat sich nun geändert?

Simon Roller: Die Fakten zeigen, dass in den vergangenen Jahren keine Konstanz reingekommen ist – auch wenn der Verein, wenn er eine Entscheidung trifft, davon überzeugt ist, dass sich eine längerfristige Zusammenarbeit ergibt. Vielleicht muss man mal eine andere Schiene fahren: Ich würde es gerne länger machen, dass ich es kann habe ich bewiesen.

PZ: Können Sie auch diejenigen verstehen, die beim Verein Ihres Herzens nicht als Trainer arbeiten wollen, zum Beispiel weil bei einer Trennung die guten Kontakte leiden könnten?

Simon Roller: Für mich ist eine Ehre alles Herzblut zu investieren, auch jetzt wo ein gewisser Negativlauf da war. Sicher muss man auch sehen, ob man selbst die Reißleine ziehen müsste. Aber ich bin mit solch einer Situation noch nicht konfrontiert worden und müsste sehen, wie ich damit umgehen, wenn es so weit kommt.

PZ: Können Sie sich schon eigentlich vorstellen, einen anderen Verein als Phönix zu traineren?

Simon Roller: Sicher muss man auch über den Tellerrand hinausschauen, aber das hat alles noch Zeit.

PZ: Und was ist eigentlich das Besondere an Phönix, warum ist das der Verein Ihres Herzens?

Simon Roller: Ich komme aus Lomersheim, bin sehr bodenständig. Das Umfeld, die Strukturen sind gut. Wir haben tolle Vorstände und inzwischen auch einen Kunstrasenplatz.