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An allen Straßen und Wegen wird geparkt. Das ist der Druck vom Gewerbegebiet Mitteltal.
An allen Straßen und Wegen wird geparkt. Das ist der Druck vom Gewerbegebiet Mitteltal.
Von der Steiner Anliegerinitiative hoffen (von links) Herbert Linder, Gerhard Andreas und Fritz Halder, dass der Verkehrsdruck aus dem Gebiet zwischen Bilfinger Straße und Königsbacher Straße genommen werden kann. Den geplanten Parkhausstandort (im Hintergrund) halten sie indes für falsch gewählt. Fotos: Marx (4), Andreas (2)
Von der Steiner Anliegerinitiative hoffen (von links) Herbert Linder, Gerhard Andreas und Fritz Halder, dass der Verkehrsdruck aus dem Gebiet zwischen Bilfinger Straße und Königsbacher Straße genommen werden kann. Den geplanten Parkhausstandort (im Hintergrund) halten sie indes für falsch gewählt. Fotos: Marx (4), Andreas (2)
Sollte ein Parkhaus am anvisierten Standort am Bruchbach entstehen, läge das Gelände im Bild in direkter Nachbarschaft zum Gebäude für bis zu 600 Fahrzeuge. Foto: Marx
Sollte ein Parkhaus am anvisierten Standort am Bruchbach entstehen, läge das Gelände im Bild in direkter Nachbarschaft zum Gebäude für bis zu 600 Fahrzeuge. Foto: Marx
27.02.2018

PZ-Report: Am Verkehr scheiden sich die Geister

Königsbach-Stein. Ja, aktuell sei ganz schön was los in Königsbach-Stein, schmunzeln Herbert Linder, Gerhard Andreas und Fritz Halder beim Treffen mit dem PZ-Reporter in Stein. Den Teilnehmern der Anliegerinitiative, die im Gebiet zwischen Sägmühlweg und Dieselstraße sowie Bilfinger Straße und Königsbacher Straße Verkehrsprobleme umtreibt, ist allerdings nicht zum Lachen. Während in der zurückliegenden Gemeinderatssitzung, in der es hoch her ging, geplante Projekte wie das Gewerbegebiet Laier oder die anvisierte Gabionenwand an der Straße zwischen der Doppelgemeinde kritisiert wurden, stellt die Anliegerinitiative Lastwagenärger und Parknöte in den Mittelpunkt.

Der Schwerlastverkehr sorge für erhebliche Probleme, sagen die Anwohner und beschreiben gefährliche Situationen. An der Hauswand zeigen sie einen Riss, der senkrecht die Fassade hinauf läuft. Für diese Risse machen sie den Schwerverkehr verantwortlich. Und sie würden immer größer. Tatsächlich rumpeln einige Lastwagen während des Gesprächs wenige Meter vor den Wohnzimmerfenstern vorbei. Eine andere Sorge der Anwohner ist eher ein Gefühl: Dass die vorgeschriebene Geschwindigkeit oft nicht eingehalten werde. Schilder am Sägmühlweg und der Bilfinger Straße weisen Tempo 30 aus.

An einem anderen Haus in der Straße erzählt ein Schild, das Anwohner selbst aufgehängt haben von einem anderen Problem. Eine Familie drängt Autofahrer, beim Parken Rücksicht auf diejenigen zu nehmen, die in der Straße wohnen. Linder, Andreas und Halder berichten von Parkdruck durch das benachbarte Gewerbegebiet Mitteltal. Hunderte von Fahrern seien werktäglich auf der Suche nach einem Parkplatz. Die Bilfinger Straße zum Beispiel sei zwar eher ein Weg. Doch der einstige Schleichverkehr habe dort mittlerweile massive Ausmaße angenommen. Im Gewerbegebiet selbst sieht der Reporter sofort die Not der Belegschaften. Praktisch jeder verfügbare Quadratmeter wird als Parkraum genutzt. Auf Gehwege, Grünflächen oder Kurvenbereiche wird keine Rücksicht genommen.

Gefordert wird Tempo 20

Aus Sicht der Anliegerinitiative wäre eine 20er-Regelung am Sägmühlweg und anderen Straßen im Wohngebiet ebenso wünschenswert wie eine Reduzierung, im Idealfall ein Stopp, des Lieferverkehrs durch Schwertransporter. Allerdings müsse alles auch überwacht werden. Deshalb hoffen sie auf eine Wiederbesetzung der vakanten Stelle eines Gemeindevollzugsbediensteten. Bürgermeister Heiko Genthner verweist darauf, dass für Tempolimits die Verkehrsbehörde des Enzkreises zuständig sei. Verkehrskonflikte durch Gewerbe seien aber einer der Gründe, weshalb die Gemeinde Flächen im Laier entwickeln wolle. Und zur Parksituation sei man dabei, Voraussetzungen für ein Parkdeck oder Parkhaus zu klären (über Genthners ausführliche Antworten berichtet die PZ noch). Dass die Kommune zur Entlastung ein Parkhaus im Blick habe, sei zwar im Kern im Sinn der Initiative, sagen die Anlieger. Doch sie fürchten, dass man im Rathaus über einen Standort bei der Dieselstraße entlang des Bruchbachs nachdenkt. Der aber wäre aus ihrer Sicht aus ökologischen Gründen falsch gewählt. Das sieht auch eine Anliegerin so, die am Bruchbachsee ein privates Naturschutzbiotop angelegt hat. Dort tummelten sich mittlerweile heimische Amphibien und sogar der Eisvogel.

Insgesamt sind die Anlieger bislang enttäuscht von Bürgermeister Genthner: Der relativiere nicht selten Probleme, um später dann doch einzuräumen, dass die Lage durchaus ernst sei. So liegt der Redaktion ein Schriftstück vor, in dem der Verwaltungschef die Bilfinger Straße wie folgt charakterisiert: „Ursache für die wiederkehrenden Schäden sind vermutlich die für einen beschränkt öffentlichen Weg vergleichsweise hohe Verkehrsfrequenz sowie zu hohe Geschwindigkeiten.“ In der Vergangenheit, so die Initiative, sei von der Verwaltung aber argumentiert worden, es seien Erhebungen vorgenommen worden, die keine Auffälligkeiten ergeben hätten. Es handele sich lediglich um das „subjektive Empfinden“ der Anwohner, was beispielsweise vermutete Gefahrenlagen an der Bilfinger Straße anbelange. Gleichwohl liegt der Redaktion ein Schreiben vor, in dem die Königsbach-Steiner Verwaltung einräumt, dass „tatsächlich bislang keine Verkehrsdatenerhebung in den von Ihnen beschriebenen Zeitkorridoren“ an der Bilfinger Straße erfolgt sei. Man sei jedoch gerade dabei, dies zu ändern.

Beim Gespräch auf der Straße erinnern Linder, Andreas und Halder an Prospekte, mit denen der Bürgermeister vor Jahren seinen Wahlkampf geführt habe. Darin sei gestanden, „dass die Bauleitplanung auf einen Interessenausgleich zwischen Wohnbevölkerung und Gewerbebetrieben ausgerichtet wird“. Neue Wohn- und Gewerbegebiete, so Genthner damals, müssten „behutsam entwickelt werden“. Darauf wollen die drei Bürger weiter pochen. Ihren Aktionsradius will die Initiative auf die Gesamtgemeinde ausweiten.