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01.09.2009

PZ-Sommeraktion: Vom Teich auf den Tisch

NEUENBÜRG. Einen halbe Stunde dauert es, bis eine Forelle aus einem der 18 Becken auf dem Teller landet. Den Weg vom Fischei, über die Aufzucht bis zum350-Gramm-Filet verfolgten PZ-Leser am Dienstag bei der Fischzucht Zordel.

Sechs Fischarten schwimmen in den 18 Becken der Fischzucht Zordel im Eyachtal: Regenbogenforelle, Lachsforelle, Bachforelle, Saibling, Wels und Karpfen. Daraus stellen Andreas Zordel und sein Team 250 verschiedene Produkte her. Darunter geräucherte Lachsforelle oder Saiblingskaviar.

Bis die meist zwei Jahre alten Fische gegessen werden, ist jede Menge Arbeit sowie raffinierte Technik nötig. Insgesamt zehn Fischwirte sorgen dafür, dass in der Anlage im Eyachtal mit angegliederte Schlachterei, Veredelung und Verkauf pro Tag eine Tonne tischfertiger Fisch produziert wird.

Was genau unternommen wird, um schmackhafte, gesunde Produkte für einen recht großen Markt herzustellen, erläuterte Andreas Zordel bei einem Rundgang um die Aufzuchtbecken, in der Schlachterei und im Verkauf. Dabei erfuhren die Sommeraktions-Teilnehmer, dass der Zuchtbetrieb einer der wenigen in der Region ist, der durch eine EU-Zertifizierung seine Fische lebend weltweit ausliefern darf.

Vor 50 Jahren hatte sein Vater Hans , ein leidenschaftlicher Angler, zunächst mit einem Teich begonnen. „Der Fisch wurde in den Siebziger Jahren dann durch Reisen in den Süden immer beliebter“, erläuterte Zordel. Der Fischzuchtbetrieb wuchs und wuchs.

900 Gramm Futter

Bis Mitte der Neunziger Jahre musste der Betrieb jedoch sehr viele Forellen zukaufen, die eigene Aufzucht reichte für die Nachfrage nicht aus. „Nachdem das Fischfutter jedoch immer hochwertiger wurde, kann ich mittlerweile aus 900 Gramm Futter ein Kilo Fischfleisch produzieren“, so der Fachmann. Früher, so Zordel waren für die selbe Menge Fisch auf dem Teller zwei Kilo Futter nötig.

Mittlerweile werden überdies Mutterfische mit einem Lichtprogramm überlistet, und produzieren nicht nur zu der von der Natur vorgegebenen Zeit Eier für einen kontinuierlichen Nachwuchs, so dass man im Eyachtal nicht mehr auf den Zukauf fremder Fische angewiesen ist.

Die bis zu 70 Kubikliter fassenden Becken haben alle einen eigenen Wasserzulauf, der aus der Eyach und ihren Quellen gespeist wird. Die Beckenböden sind zementiert, „aus Gründen der Hygiene und weil Forellen klares Wasser lieben, die wühlen nicht im Bodensatz“, informierte Zordel. Auch erfuhren die Sommeraktions-Teilnehmer, dass eine Lachsforelle eigentlich nur durch die Fütterung mit Karotten ein lachsfarbenes Fleisch erhält, und daher Lachsforelle heißen darf. Goldforellen dagegen sind Fische mit Fehlfarben, die ihre Fähigkeit verloren haben, sich ihrer Umgebung farblich anzupassen. „Die sind für unsere Anlage so etwas wie ein weißer Tiger für den Zoo“, erklärte Zordel schmunzelnd.

Mithilfe einer sogenannten Rohrpost gelangen die meisten Fische vom Teich direkt in die Schlachterei. Dort landen sie in einem Becken, werden mit Strom betäubt, und an einer Vorrichtung automatisch aufgeschlitzt. Dort werden auch die Innereien in sekundenschnelle abgesaugt. Eine weitere Maschine sorgt dafür, dass das Essvergnügen durch keine Gräten getrübt wird. Zum Abschluss konnten sich die Sommeraktions-Teilnehmer die Informationen bei Fisch-Häppchen nochmal auf der Zunge zergehen lassen.