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23.02.2015

PZ-Zapp: Kino-Qualität im Tatort mit Enzkreis-Wurzeln

Was für ein starker letzter "Tatort"-Fall für einen starken Schauspieler. "Das Haus am Ende der Straße", der Abschied für Joachim Króls Kommissar Steier war ein Krimi, der ohne Effekthascherei auskam, ohne Verfolgungsjagden, Blaulichtfahrten und Stunt-Einlagen.

Einer, dessen Spannung aus den zwischenmenschlichen Dramen seiner allesamt verzweifelten Figuren entwickelte. Einer, der in einem tödlichen Duell zwischen Steier und dem Ex-Polizisten Poller mündete - zweier krisengeschüttelter Männer, die einander respektieren und sich im Grunde mögen. Weil aber beide ihren Prinzipien treu bleiben, kommt es zur Katastrophe. Dieser "Tatort" war ein lupenreines Psychodrama - gefilmt auf einem Niveau, das sich vor US-Kino-Produktionen nicht zu verstecken brauchte. Getragen von starken Darstellern - neben Król vor allem von Armin Rohde als Poller. Und die Regie schickt das Ensemble durch ein klaustrophobisches Kammerspiel - ohne Effekthascherei, aber dafür mit umso mehr Thrill.

Dass diese Regie in den Händen von Sebastian Marka lag und damit bei einem Mann, der in Königsbach-Stein aufgewachsen ist, machte "Das Haus am Ende der Straße" für Zuschauer aus dem Enzkreis zum besonders spannenden Stück. Und dass Marka sein Handwerk versteht, war sofort geklärt. Der "Tatort" begann mit einer Gerichtsverhandlung, in der für Kommissar Steier binnen kürzester Zeit sein Zeugenstuhl zur Anklagebank wird. Sein Alkoholproblem sorgt dafür, dass ein junger Straftäter freikommt, der beim Versuch, Steier zu entkommen, ein Kind erschossen hatte. Der Kommissar schmeißt seinen Job hin und versucht, auf eigene Faust nach Gerechtigkeit zu suchen.

Der selbe Antrieb macht aus dem Ex-Polizisten Poller einen Rächer, der zugleich die Gespenster der eigenen Vergangenheit bekämpfen will - sein Versagen als Vater, den Drogentod des Sohnes. Die Marter der Erinnerungen beider Männer blitzt immer wieder in Rückblenden auf. Zu Gegnern werden sie, als sie beide den selben Gegner verfolgen. Der junge Mann, der mit der Tötung des Kindes davongekommen ist, will mit seinem Bruder und dessen Freundin eine Villa ausrauben, wird vom Besitzer überrascht und erschlägt ihn. Poller, der für den Villenbesitzer eine Art Hausmeister war, wird Zeuge und deshalb von den Tätern gejagt. Von diesem Moment an, spielt der Film fast ausschließlich in den engen Räumen des "Hauses am Ende der Straße" - in Pollers Haus. Der schafft es, den Spieß umzudrehen, sperrt seine jungen Verfolger ein - und auch den Kommissar, der seiner eigenen Gerechtigkeitssuche in die Quere kommt. Poller hat beim Bruder des Mörders echte Reue ausgemacht und will ihn retten. Dafür muss er die Wahrheit kräftig verbiegen - und stellt dabei die seelischen Abgründe bloß, die sich zwischen allen Beteiligten auftun.

Jeder Dialog sitzt. Die Kamera streift durch das kleine Haus, lässt den Zuschauer sich fühlen, als wäre er selbst verfolgt. Oder auf der Jagd. Dass Marka als Regisseur auch beim neuen Frankfurter "Tatort"-Team erhalten bleibt, macht Lust auf mehr. Joachim Król hat er jedenfalls einen der stärksten Abschiede beschert, die "Tatort"-Kommissare zuletzt erhalten haben.