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TV-Kolumne PZ-zapp

12.11.2012

PZ-zapp: "Absolute Mehrheit" absolut belanglos

Gleich vorweg: Ich mag keine Polit-Talkshows. Spätestens seit dem Chaospalaver mit Sabine Christiansen habe ich keine Lust mehr auf Politiker und ihre immer gleichen Phrasen. Wo, bitteschön, kann man denn zwischen all den ungeordneten Beschimpfungen und den harmlosen Fragen einen Erkenntnisgewinn herausziehen? Und jetzt mischt da auch noch der Stefan Raab mit.

Bildergalerie: Stefan Raabs Polit-Talkshow "Absolute Mehrheit"

„Absolute Mehrheit“ heißt seine Show. Klar doch, Raab kann alles. Mit dem Wok durch den Eiskanal rutschen, Autos schreddern, vom Zehn-Meter-Brett springen, Musikcastings durchziehen und ein bisschen Klamauk mit Promis machen. Warum dann nicht auch einen Politik-Talk? Wer redet den meisten Blödsinn? Raab oder die Volksvertreter? Wer überbietet sich in der Harmlosigkeit? Raab oder die Abgeordneten?

Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach schon vor der Sendung von „absolutem Unfug“, Verkehrsminister Peter Ramsauer befürchtete eine Veralberung. Doch das übliche ProSieben-Kasperletheater ist lange nicht so schlimm wie befürchtet gewesen und leider auch lange nicht so prickelnd neu und anders wie erhofft.

Raab mühte sich, den forschen, kecken Fragesteller zu mimen. Bloß nicht zu seriös wirken. Doch auch ein Frank Plasberg stellt zuweilen solche unbequemen Fragen. Raab aber legt noch einen drauf, nur rutscht das dann bei ihm schnell in seine zuweilen etwas bemüht wirkende Schnoddrigkeit und die typische ProSieben-Unbedarftheit ab. So richtig lustig ist das dann auch nicht immer.

Ein bisschen kam mir der Studio-Hintergrund so vor wie bei einer früheren Harald-Schmidt-Show. Mit dem Unterschied, dass Schmidt nie so unelegant breitbeinig auf dem halbkreisförmigen Sofa unter dem Bundesadler herumgeflegelt wäre wie Gelegenheitsprolo Raab. Und wer saß sonst noch mit ihm auf dem Sofa? Die B-Promis der Politikszene, wobei der bekannteste Gesprächspartner wohl der FDP-Querkopf Wolfgang Kubicki war. Und der hätte fast die 100.000 Euro gewonnen, die das Raab-Showopfer bekommt, das am Ende der Sendung von den Zuschauern die absolute Stimmenmehrheit erhält.

Soll heißen: Wer den größten Blödsinn verzapft, wer die meisten schlechten Gags produziert, wer am frechsten andere unterbuttert oder die beliebtesten Stammtischparolen herumposaunt, hat Chancen auf den Talkshow-Sieg. Super. Das ist ProSieben. Aber können wir so die Politikverdrossenheit der Menschen beseitigen? Können wir so ein Verständnis für Politik wecken? Politik als Schmierentheater - die unwürdige Lügenshow im US-amerikanischen Präsidentenwahlkampf lässt grüßen.

Die Volksverdummung geht in eine nächste Runde. Und dafür gibt es jetzt so tolle Features wie „Speedmeinungsbildung“ und multimediale Abstimmung per SMS und Telefon. Dass der Stimmenfang Geld kostet, ist nur konsequent.

Eines hat Raabs „Absolute Mehrheit“ immerhin bewiesen. Polit-Talks sind weiterhin öde. Raab kann alles, wenn er nur selbst im Mittelpunkt stehen darf. Und die klassischen Talkshows in den anderen Programm müssen sich jetzt ganz schnell überlegen, wie sie ihr fades Blabla beleben, ohne ins unseriös Flache oder in den puren Show-Blödsinn abzugleiten. Thomas Kurtz

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