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TV-Kolumne PZ-zapp

© Marc Dietz
21.01.2013

PZ-zapp: Armin Rohde glänzt im "Nachtschicht"-Kultkrimi

Ein paarmal im Jahr beweist das ZDF, dass der Sender mit dem grauhaarigen Stammpublikum das von der GEZ erpresste Zwangsgeld wirklich sinnvoll einsetzt. Eine der besten ZDF-Investitionen fließt in die deutsche Kultkrimi-Reihe „Nachtschicht“ von Regisseur und Drehbuchautor Lars Becker. Dagegen wirken „Tatort“-Folgen wie hausbackene und hüftsteife Kopien. Am Montag, 20.15 Uhr, läuft die neue und elfte Folge „Nachtschicht - Geld regiert die Welt“ mit einem wunderbar kaputten Armin Rohde als Kommissar und Gaststar Ben Becker als krimineller Banker.

Am Sonntagabend schon war auf ZDFneo die Premiere zu sehen. Ich habe nicht eine Minute bereut. Das Millionenpublikum wird freilich erst am Montagabend auf dem Stammsender einschalten. Der Film ist ein Muss für alle, die lakonische und lässige, Konventionen aufbrechende und zuweilen fast anarchisch anmutende Krimis mit herausragenden Schauspielern lieben. So etwas wie die „Nachtschicht“-Reihe muss man im deutschen Fernsehen lange suchen.

Nein, das hat natürlich nichts mit der realen Polizeiarbeit zu tun. Aber wer will schon abends auf der Couch den miefigen Arbeitsalltag anderer erleben müssen? Bei „Nachtschicht“ ist alles überzeichnet, alles viel rasanter als die Realität. Dafür ist „Nachtschicht - Geld regiert die Welt“ extrem unterhaltsam, mit subtilem Witz gespickt. Und letztlich glaubt man da, wo es so richtig menschlich wird, etwa bei der Sauferei im Puff oder den privaten Verbindungen von Gesetzeshütern und Gesetzesverbiegern wie prügelwilligen Rockern oder windigen Rechtsanwälten doch die Wirklichkeit durchschimmern zu sehen.

Fürs Menschliche sorgt Kommissar Erichsen (Armin Rohde), der zu viel trinkt, zu wenig schläft und bei der Verfolgung des räuberischen Bankfilialleiters (Ben Becker) nach wenigen Schritten schon Luft pumpen muss als gelte es, einen Heißluftballon aufzublasen. Aber auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Ein treudoofer Sozialschmarotzer (Fahri Yardim) und ein psychopathischer Killer (Alexander Scheer) sollen mit Hilfe des im Hintergrund die Fäden ziehenden Filialleiters einen todsicheren Bankraub begehen. Natürlich geht das schief. Aber das hatte sich schon vorher angebahnt, als der feucht-fröhliche Männerabend von Erichsen, seinem in die Kasse greifenden Banker-Kumpel und seinem zum koksenden Rechtsanwalt degenerierten Jugendfreund im Rotlichtviertel ein blutiges Ende findet.

Mehr soll nicht verraten werden. Schließlich sollen Sie ja heute Abend die elfte „Nachtschicht“-Folge seit 2003 genießen. Für diese Kultkrimis zahle ich das Erpressungsgeld gerne an die GEZ.

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