nach oben
pz-zapp-15-tok-negativ © Fotolia/Seibel/Dietz
04.01.2016

PZ-zapp: Doppel-"Tatort" von Til Schweiger doppelt peinliche Killerorgie

Das Gute vorweg. Helene Fischer spielte nur in der ersten Hälfte des Til-Schweiger-Doppel-„Tatorts“ mit. Dass die junge Fake-Blondine singen kann, wird vielfach behauptet. Aber es wird sich wohl kaum jemand finden, der ihr nach dem „Tatort“ schauspielerisches Talent bescheinigen möchte. Dieser steife, zum Glück dialog- und handlungsarme Kurzauftritt der bösen russischen Killerin zeigte, woran es dem Machwerk fehlte: an guten Schauspielern, die ganze Sätze sprechen (nicht nuscheln!) können, und an einem Drehbuch, in dem nicht auf jeder zweiten Seite nur „Bumm“, „Peng“, „Zisch“ oder „Boing“ steht.

Umfrage

Gefällt Ihnen Til Schweiger als "Tatort"-Ermittler Nick Tschiller?

Ja 19%
Nein 61%
Mal so, mal so 5%
Mir egal 15%
Stimmen gesamt 1139
Ich gebe zu, dass mich Minimalmime Til Schweiger fast schon grundsätzlich nervt. Aber aus dienstlichen Gründen habe ich mir vorgenommen, seine Abenteuer als Einsamer-Wolf-gegen-den-Rest-der-Welt-Ermittler Nick Tschiller unvoreingenommen, offen und mit einem Höchstmaß an Neutralität mitzuerleben. Aber wie das so ist mit den guten Vorsätzen zum neuen Jahr: Sie halten nicht lange.

In den Doppelfolgen "Tatort: Der große Schmerz" an Neujahr und "Tatort: Fegefeuer" am Sonntag darauf demonstriert Schweiger schon von der ersten Minute an, was er unter einem Hollywood-Schauspieler versteht: Betroffen und von der Last des Bösen und den vielen Superman-Einsätzen sprachlos geworden in die Gegend schauen, das Profil formatfüllend auf die Mattscheibe drücken, gezeichnet von kleinen dekorativ männlichen Wunden, die man sich bei mörderischen Schlägereien oder beim sorglosen Rasieren holt.

Diese permanente, omnipräsente Sprachlosigkeit zielt nur darauf ab, den einzig wahren Star Mädchenzimmer-postermäßig ins beste Licht zu rücken. Das soll bedeutungsschwanger wirken, aber alles, was da nach den vielen Schicksals- und Tiefschlägen vorder- oder hintergründig mitschwingt, ist Langeweile. Aber wer’s mag: Sylvester Stallone hat in seinen „Rambo“-Filmen ja auch nur einzelne Worte vor sich hin gestammelt, ähnlich wie Arnold Schwarzenegger als Barbar „Conan“. In die gleiche Trash-Kategorie fallt auch der doppelte und doppelt peinliche Schweiger-„Tatort“.

Im Alleingang besiegt er eine Armee von kurdischen und russischen Bösewichtern, die alle bis an die Zähne bewaffnet und erprobte Killer sind. Die nehmen das komplette „Tagesschau“-Team als Geiseln und bleiben sogar auf Sendung (was soll man denn sonst am Sonntagabend im TV sehen?). Andere verfolgen ein Auto mit einem Hubschrauber, wobei die Bösewichter so aussehen wie SEK-Beamte, nur eine Spur besser und martialischer ausgerüstet. Die Ganoven, einzeln oder in Gruppen, erscheinen wie aus dem Nichts – und Nick Tschiller befördert sie mit einem metallenen, kugelförmigen One-way-Ticket gleich wieder zurück ins Nirwana.

Aber diese comichaft gezeichnete Heldenfigur – ein unverwundbarer Drachentöter Siegfried des 21. Jahrhunderts – muss auch noch seinen Freunden und Helfern, der mal wieder im Weg stehenden deutschen Polizei, entkommen. Zum Beispiel mit schwersten Waffen, mit denen er mal schnell ein Loch in eine Hallenwand bombt, um problemlos durch das exakt herausgeblasene Loch mit dem Auto flüchten zu können.

Ja, so geht Hollywood. Aber in einem deutschen Fernsehkrimi wirkt das irgendwie deplatziert bis lächerlich. Am Ende, ich gebe es zu, hätte ich freiwillig Schweigers Hasenohren-Filme nacheinander gesehen, wenn nur einer der Verbrecher mal getroffen und diesem „Tatort“-Superhelden den Garaus gemacht hätte. So geht die große egomanische Schweiger-Show wohl noch eine Weile weiter.

Inzwischen wurden auch die Kollegen zu Statisten degradiert. Fahri Yardim, der als Yalcin Gümer im ersten Nick-Tschiller-„Tatort“ noch die beste Rolle hatte, weil er ironisch das Geballere und Machogehabe kommentieren durfte, taucht in der neuen Doppelfolge nur noch als braver, an das Gute in Tschiller glaubender Mitläufer auf. Erdal Yildiz als Firat Astan ist ein auf Schmusekurs getrimmter Mörder, der nicht nur Tschillers Ex-Frau auf dem Gewissen hat. Talentfrei präsentiert sich die leibhaftige Schweiger-Tochter Luna als Filmtochter Lenny, die sich in der Schlussszene von Papa Tschiller das Schießen beibringen lässt. Gerade noch blickt Lenny in die Läufe von Sturmgewehren und Pistolen, gerade erst hat sie die Mutter durch eine Schießerei verloren und jetzt ballert sie selber am Schießstand – wie sich Filmemacher Schweiger das Leben und die Psyche von weiblichen Teenagern so vorstellt.

Ganz klar: Dafür kann es nur den nach unten zeigenden Negativ-Daumen geben.

 

Leserkommentare (0)