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31.12.2012

PZ-zapp: Einschläfernder "Tatort: Der tiefe Schlaf"

Batic und Leitmayr – die beiden „Tatort“-Kommissare habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Die gingen mir mit ihren Betroffenheitsdemonstrationen und dem ganzen Verständnisgetue stets so vehement auf den Nerv, dass ich die Münchner „Tatort“-Folgen gemieden habe, wie ein schon als Baby mit Weizenbier gesäugter Bayer vor westfälischem Altbier scheut. Am vorletzten Tag des Jahres habe ich dann doch bei „Tatort: Der tiefe Schlaf“ mal wieder eine Ausnahme gemacht – und diese umgehend bereut.

Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ermitteln eher ohne Elan (oder nennt man das „bayerische Gemütlichkeit“?) in einem Mordfall, der in anderen „Tatort“-Folgen alle Beteiligten an die Schmerzgrenzen bringen würde. Schließlich ist der Mord an einem jungen Mädchen nicht nur für die Hinterbliebenen eine enorme psychische Belastung. Der einzige Beamte aber, der den Mörder unbedingt finden will, ist der neue Assistent Gisbert Engelhardt (Fabian Hinrichs) - ein übereifriger, dynamischer, forscher, sich blindwütig in die Arbeit stürzender Jungdreißiger. Der allein zeigt Ermittlerdrang. „Ich habe einen sehr guten Instinkt. Und am Ende habe ich immer Recht“, lobt sich Engelhardt selbst, um dann im Übereifer teils peinliche Fehler zu begehen.

Und doch ist er es, der die alten Jagdhunde Batic und Leitmayr zum Jagen tragen muss. Die sind, da musste ich nach so langer Münchner-„Tatort“-Abstinenz wirklich staunen, beide alt und weißhaarig geworden. Irgendwie scheinen die sich so zu ähneln, wie man es von steinalten Ehepaaren kennt, die schon seit anno Tobak verheiratet sind und bei den Namen der Urururenkel die Übersicht verloren haben. Vielleicht wäre die Pension für das Ermittlerteam eine Erlösung.

Die werden erst so ein bisschen wach, als der Assistent tatsächlich den Mörder findet, von diesem aber getötet wird. Und dem Killer fällt nichts Besseres ein, als auch den Polizisten so zu töten, dass sofort die Spur zum Serien- und Ritualmörder offensichtlich wird. Leider sind dann Batic und Leitmayr wieder die alleinigen Helden. Natürlich zutiefst betroffen, einsam und auf sich selbst, auf ihre eigene Schuld zurückgeworfen. Furchtbar, diese vom Schicksal ausgequetschten Seelen. Hätten sie doch bloß nicht den Assistenten gemobbt.

„Kann ja nicht jeder so ein lustiger Knallfrosch sein wie du“, sagt der dröge aus der Wäsche guckende Leitmayr zu seinem faden Kollegen Batic, der von mir noch nie beim herzhaften Lachen erwischt wurde. War auch dieses Mal beim Mimikminimalisten nicht der Fall. Und sogar ich glotzte am Ende der Folge dröge aus meinen Sonntagabendcouchklamotten. Da rennen Batic und Leitmayr urplötzlich einem Fremden hinterher, der dann gegen ein heranrasendes Auto springt. Ob das der Mörder war? Die beiden Kommissare haben es nach eineinhalb Stunden „Tatort“-Langeweile nicht mit Sicherheit sagen können. Und mich hat es auch schon nicht mehr interessiert.

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