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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
07.03.2016

PZ-zapp: Ermittlerinnen mit Biss im neuen Dresdner "Tatort: Auf einen Schlag"

Endlich. Ich dachte schon, ich könnte nie wieder einen Tatort mit Genuss anschauen. Selbst die letzten Wiedersehen mit Boerne und Thiel waren eher zum Gähnen. Vorhersehbar, klamaukig, behäbig. Aber am Sonntagabend hat mich der  "Tatort: Auf einen Schlag"wieder eingefangen. Authentische Kommissarinnen und eine dichte Story gewürzt mit ein paar deftigen, gut gespielten Klischees - Klasse.

Die Dresdner Ermittlerinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) ermitteln mit Biss und selbst die verbalen Dauerausflüge ins Reich der Emanzen kommen durch den privaten Kontext der beiden Beamtinnen glaubwürdig und nicht nur aufgesetzt rüber.

Toni & Tina und die ostdeutsche Schlagerwelt... Ein Sumpf aus Scheinidentitäten, Kriminalität und Gewalt. Toni stirbt und es dauert lange bis jemand aus dem Milieu anfängt, sich zu öffnen.

Die Komissarinnen und ihr Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) ermitteln zwischen eiskalten Schlagermanagern, betrunkenen Musikern und scheinbar naiven Sternchen, deren Verfallsdatum trotz Dauerstrahlen längst erreicht ist. Zwei bis an den heimischen Herd taffe Ermittlerinnen sind mit einer jungen Praktikantin Maria Mohr (Jella Haase) unterwegs, die in ihrer Naivität öfter nervt, aber auch immer wieder mit Emotionalität punktet.

Das Finale zeigt dann abseits aller Heidschibumbeidschi-Rumeiereien eine brutale Realität. Grün und blau geschlagen der schwule Partner des Mordopfers, der auspacken wollte, und in einer Blutlache die totgetretene junge Polizistin - die Reaktion der Chefin, Schreien, Losgehen und Festnageln der feigen Verursacher. Nachvollziehbar und glaubhaft - der Dresdner Tatort wird auf jeden Fall wieder eingeschaltet.