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© Fotolia/Dietz
02.01.2015

PZ-zapp: Genialer, lustvoller, total abgedrehter "Tatort" aus Weimar

Es musste erst das Jahr 2015 anbrechen, um mal wieder einen richtigen guten, weil witzig-abgedrehten „Tatort“ sehen zu können. 2014 wurde mit zwei unbefriedigenden Krimis aus Saarbrücken (Stellbrink) und aus München (Batic und Leitmayr) beendet. Das ganze Maß an Befriedigung servierten dagegen Christian Ulmen und Nora Tschirner im „Tatort: Der irre Iwan“ aus Weimar mit einer lustvoll spannenden Geschichte zwischen Frauentausch, Swinger-Club und Ehegrusel.

Da wird eine Mitarbeiterin der Stadtkämmerei scheinbar aus Versehen erschossen, weil der Räuber scheinbar ziellos in die Luft schießt. Aber der scheinbar Hauptverdächtige konnte den Überfall gar nicht ausgeführt haben, besitzt jedoch die Beute, die scheinbar bei einem Knastkumpel in Sicherheit ist. Doch das ist noch lange nicht genug des Scheinbaren. Da gibt es den Kämmerer, der mit der eher unterm Schreibtisch erfolgreichen Mitarbeiterin ein Verhältnis hatte, gleich doppelt. Denn der Finanzchef ist zum Zeitpunkt des Überfalls gar nicht der oberste Kassenwart von Weimar, sondern sein eineiiger Zwilling, der Betreiber einer Jahrmarkts-Geisterbahn. So oft wie die Beute im Verlauf des Krimis den Besitzer oder das Versteck wechselt, so oft wird man mit den seltsamen Verwirrungen der Liebe konfrontiert, pendelnd zwischen Ehefrust und Eifersucht, Sex im Büro, im FKK-Club oder mit getauschten Ehefrauen.

Nur beim Ermittlerduo Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) scheint die traute Zweisamkeit gerade auf einem niederen Hormonniveau vor sich hin zu dümpeln, wobei das Läuten der Hochzeitsglocken gar nicht so weit entfernt zu sein scheint, jedoch immer wieder im Laufe der Ermittlungen durch Ehe-Negativbeispiel zum Verstummen kommt. Komisch und verdreht – ein „Tatort“, bei dem man stellenweise herzhaft lachen und trotzdem mitfiebern und miträtseln kann. So verrückt die Geschichte auch sein mag, Ulmen und Tschirner servieren sie in einer überzeugenden, mitreißenden Mischung zwischen irren Überraschungen und angenehmer Unaufgeregtheit. Schön, dass man auch mal wieder die wunderbare Sophie Rois als von der Liebe ihres Lebens enttäuschte Mörderin im deutschen Fernsehen erleben darf.

Der „Tatort: Der irre Iwan“ hätte sogar das Zeug zum Kinokassenfüller gehabt. So viel Witz gibt es nicht oft in den Sonntagabendkrimis der ARD, wenn man mal vom genialen Duo aus Münster absieht. Das Pärchen aus Weimar hätte es verdient, öfter auf dem Bildschirm zu ermitteln. Bitte schnell mehr davon.

Und wenn Sie ihn verpasst haben, dann sollten Sie das schleunigst nachholen, zum Beispiel bis zum 8. Januar in der Mediathek der ARD

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