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TV-Kolumne PZ-zapp

© Dietz
08.10.2012

PZ-zapp: Gruselig schlechter "Tatort: Nachtkrapp"

„Ich will einfach nur, dass es vorbei ist“, brüllt der Kindermörder von einem Schiff aus zur im Wasser stehenden Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes). Und damit spricht er aus, was ich schon länger gedacht habe. Der „Tatort: Nachtkrapp“ war gruselig – aber nicht, weil da ein irrer, mörderischer Pädophiler auf der Suche nach einem neuen Opfer als Schatten am Fenster vorbeigeisterte, auch nicht, weil sich der Bodensee so unheilschwanger im Nebel auflöste, sondern weil diese Folge einfach gruselig schlecht war.

Überhaupt: Jeder Mensch am Bodensee scheint in einem Haus mit direktem Seezugang zu leben. Der 15 Jahre lang im Knast modernde Entführer der Kommissarin wie der Schweizer Fahnder oder der Kindermörder, dessen Vater der Hausmeister im Schullandheim ist. Alles Quatsch. Wer schon einmal am Bodensee direkt am Seeufer Urlaub machen wollte, weiß, dass das horrend teuer und selten ist.

Die ganze Geschichte lief doch völlig aus dem Ruder. Ein falscher Kindermörder entführt die Kommissarin und geht dann mit ihr auf die Jagd nach dem aktuellen Kindermörder. Ein Junge aus dem Schullandheim, dessen Freund ihm vom Kinder raubenden Nachtkrapp erzählt hat und dann selbst ermordet wird, kommt nicht in ein sicheres Heim oder in die Obhut einer erfahrenen Pflegefamilie, sondern ins nette Holzhaus des Schweizer Superermittlers Mattheo Lüthi (Roland Koch). Psychologisch betreut wird der Kleine auch nicht.

Aber warum auch, wenn alle Figuren in diesem „Tatort“ seltsam seelenlos und blutleer wirken. Nicht dramatisch, sondern nur peinlich und unpassend wirkt die Liebeserklärung des Kindermörders an den Jungen, bevor er sich erhängt. Das war alles so abgegriffen, so klischeehaft, so oberflächlich. Ein Bodensee-"Tatort" zum Abtauchen.

„Ich will einfach nur, dass es vorbei ist.“ Der letzte Satz des Kinderschänders kommt leider viel zu spät. Da war der Fernsehabend schon gelaufen. Thomas Kurtz

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