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PZ-zapp "Tatort: Borowski und der freie Fall" © Dietz
04.02.2013

PZ-zapp: Gute Story, betuliche Bodensee-Ermittler

Eva Mattes hat auch schon bessere, spannendere Filme gemacht. In den „Tatort“-Krimis vom Bodensee wirkt sie als Betroffenheitsikone und Urbild aller verständnisvollen Menschen meistens eher verhalten und eindimensional. Der Kommissarin Blum zur Seite steht ihr oft ungestümer, misstrauischer und auf andere, juvenile Art eindimensionaler Adlatus Perlmann (Sebastian Bezzel). Aber auch die Summe zweier Gegensätze macht noch kein aufregendes Ermittlerduo. Oder passen sich die Fälle der Konstanzer Mörderjäger dem betulichen Lebenstempo im tiefsten Süden des Musterländles an?

Konstanz. Bodensee. Ferien mit den Kindern auf dem Bauernhof. Volle Strandbäder in der Hochsaison. Und außerhalb der Saison jede Menge Nebel. Und weil es sonst nicht viel gibt, scheinen auch die Menschen gerne benebelt durch die Gegend zu laufen. Der eine säuft Whisky-Cola, um zu verdrängen, dass er mit seinen windigen Geschäften nur Geld vernichtet, der andere schüttet den Rotwein rein, um zu vergessen, dass ihm sein Leben nichts mehr bietet. Beide buhlen um die Aufmerksamkeit der lebenslustigen und so gar nicht keuschen Dorfschönheit Mona, deren provinzielle Frivolität und ländliche Luder-Qualität sich beim Tanzen auf dem Tisch mit anschließender Polonäse zeigt.

Und deren Leiche suchen Blum und Perlmann im "Tatort: Die schöne Mona" nun relativ unaufgeregt. Am Bodensee gehen die Uhren eben etwas langsamer. Dafür wird gerne getrunken und auf ebenfalls unaufgeregte Art getrauert. Der Ex-Liebhaber säuft weiter und wirkt irgendwie so locker wie vor der Todesnachricht, der betrogene Ehemann köpft eine Flasche Rotwein nach der anderen und sucht Trost beim Dampfgaren von Hühnchen. So ist das halt am Bodensee.

Zum einen vermittelt der „Tatort“ mal beklemmende, mal ganz leicht augenzwinkernde Einblick in das Provinzleben, zum anderen sind die Wendungen in dem Mordfall, der erst in der letzten Minute tatsächlich einer wird, nicht gleich absehbar. Geht es um ein Eifersuchtsdrama, um einen Racheakt, um einen kaltblütigen Mord aus Habgier und zur Verschleierung eines Betrugs? Das bleibt lange offen und die gute, überraschende Story macht den "Tatort: Die schöne Mona" durchaus sehenswert.

Wenn halt bloß nicht das humorfreie Ermittlerduo so sehr nach Bodensee und Konstanz und Nebel in der Provinz riechen würde. Immerhin: Das war einer der besten „Tatort“-Krimis aus dem tiefen Süden. Vielleicht kann ich mich ja doch noch mit denen anfreunden. Ganz langsam eben. So wie das dort so üblich ist.

Dafür gibt's den Daumen halb hoch. 

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