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TV-Kolumne PZ-zapp

11.02.2013

PZ-zapp: Guter Schweizer "Tatort" für Faschingshasser

„Karneval ist der stets missglückende Versuch des Spießers, das Unerlaubte in seine Moral einzubeziehen“, hat der deutsche Schriftsteller Sigmund Graff einmal gesagt. Und schenkt man dem Schweizer „Tatort: Schmutziger Donnerstag“ Glauben, dann ist die Luzerner Fasnacht - das größte Event der Zentralschweiz - ein uniformiertes Treffen der bigotten Eidgenossen, die beweisen, dass der Fasching eine todernste Angelegenheit ist. Zuweilen sogar extrem tödlich.

Da rennt doch tatsächlich ein Serienkiller durchs nette Luzern und sticht scheinbar unbescholtene Honoratioren der konservativen Zunft der Wächter am Pilatus nieder. Spuren führen zu einer Vergewaltigung durch zwei Biedermänner oder zu dubiosen Machenschaften bei Vergaben von Bauprojekten. Nur einer weiß schon recht früh, dass dies ein persönlicher Rachefeldzug ist: Reto Flückiger (Stefan Gubser), der Ermittler, der in diesen Tagen und an diesem Ort so völlig fehl am Platz zu sein scheint.

Während alle Fasching feiern und sich traditionsselig dem Suff und der sexuellen Freizügigkeit ergeben, irrt Flückiger wie ein Fremdkörper durch das Narrenmeer. Auch seine Kollegen denken mehr ans Feiern. Sein nicht nur an an Fasching recht närrisch anmutender vorgesetzter Amtsrat Dr. Mattmann (Jean-Pierre Cornu) scheint ihn sogar ausbremsen zu wollen.

Der Schweizer „Tatort“ überzeugt durch ein hohes Tempo. Da fragt man besser nicht nach, ob die Geschichte von „Schmutziger Donnerstag“ realitätsnah ist. Dass einer seinen eigenen Tod inszeniert und dann in Hotelkellern haust und problemlos durch strenge Polizeikontrollen geistert – was soll’s. Die Geschichte ist spannend und hält nicht nur die Schweizer Ermittler in Atem. Außerdem gewinnt man einen Blick hinter die von bürgerlicher Anständigkeit triefende Fassade alter Männerbünde, hinter der jedoch Bigotterie, Kaltherzigkeit und auch Humorlosigkeit hausen. Am Ende fragt man sich, ob Flückiger nicht zu früh eingegriffen hat, denn da waren für den einst wegen eines familiären Makels aus der Faschingszunft gedrängten Killer noch eine ganze Menge Spießer übrig.

Für Faschingshasser war das der richtige Sonntagabendkrimi. Und für einen Schweizer „Tatort“ war es ein überraschend guter Film.

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