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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
22.09.2014

PZ-zapp: Guter "Tatort" aus Münster, aber ohne tiefschwarzen Humor

Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Thiel (Axel Prahl) haben bei mir schon immer einen Bonus gehabt. Ich liebe diese Mischung aus Spannung und Komik, die in den letzten „Tatort“-Folgen aus Münster mit einem tiefschwarzen, ins Groteske reichenden Humor überzeugt hat. An diesem Sonntag jedoch blieb das Schmunzeln und Mitfiebern eher auf ein gehobenes Mittelmaß beschränkt. Der "Tatort: Mord ist die beste Medizin" war gut und spannend, aber er wirkte stellenweise etwas bieder und hüftsteif.

„Das war vielleicht der beste „Tatort“ aus Münster, eine tiefschwarze Krimikomödie mit vielen wie beiläufig eingestreuten, aber perfekt getimten Pointen, entsprungen aus einem trockenen, respektlosen Humor“, hatte ich vor fast einem halben Jahr im PZ-zapp über den „Tatort: Der Hammer“ geschrieben. Der jüngste Sonntagabendkrimi im Ersten war dieses Mal eher ein ordentlich, aber nicht aufregend gemachter Münster-Krimi mit hohem Schmunzelfaktor, der ohne den Klamauk früherer Folgen auskam, aber leider auch stellenweise ohne den zuletzt präsentierten rasiermesserscharfen Witz der beiden gegensätzlichen Ermittlerfiguren zwischen Proll und Snob. Trotzdem: Auch ein mittelmäßiger Boerne-Thiel-Krimi kann meistens besser unterhalten als das, was zur gleichen Zeit auf den anderen Sendern läuft.

Dieses Mal steht ganz klar Boerne im Vordergrund. Dessen Arroganz schlägt in Ignoranz um, als es um seine eigene Gesundheit geht. Beim Aufschneiden von Leichen kommt er den seltsamsten Veränderungen im Körper auf die Spur, bei der Untersuchung seines eigenen körperlichen Zustands verschätzt er sich. Typisch für einen Hypochonder. Und so landet „die Diva“ (Thiel) in der Krebsabteilung des Krankenhauses. Der eingebildete Kranke, der zuerst vor dem Volksmusik-Gedudel eines superoptimistischen Patienten mit „Eins-a-Lungenkrebs“ und dann vor dem Disco-Gewummere eines DJ-Machos mit Hodenkrebs aus dem Krankenbett flüchtet, stürzt sich in den Klinikum-Katakomben in Under-Cover-Ermittlungen.

Menschen müssen sterben, weil sie gefälschte Medikamente erhalten. Den Pillenpfusch gibt es, weil rigorose Kostendämpfungs-Maßnahmen in Krankenhäusern zu unsauberen Handlungen führen. Und so wird das Chemotherapiemittel Zytarix vom drogensüchtigen und von der Klinikchefin erpressten Chefapotheker des Klinikums gestreckt. Kein Wunder, dass Patienten wie der Lungenkrebs-Volksmusikdudler keine Nebenwirkungen spüren. Es gibt ja schließlich auch keine eigentliche Wirkung auf die Krebszellen.

Der Klinikleiterin und dem Lieferanten scheint das egal zu sein. Wer hinter das Geheimnis kommt, wird vom Apotheker ermordet. Und zwar so genial, dass es auf den ersten Blick nicht nachweisbar ist. Kein schlechtes Thema, aber das Milliardengeschäft mit gefälschten Medikamenten wird nur so nebenbei beleuchtet. Spannend war der „Tatort“ trotzdem, auch wenn es ein bisschen an Dynamik fehlte. Sherlock Boerne gab sein Bestes, Watson Thiel half fleißig mit. Es reicht am Ende immer noch zu einer „Daumen hoch“-Wertung.