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TV-Kolumne PZ-zapp

© Dietz
24.09.2012

PZ-zapp: Herrlich kaputter "Tatort: Alter Ego"

Genie und Wahnsinn, Unnahbarkeit und Einfühlungsvermögen – bei Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) liegt das so eng beisammen wie man es von einer Figur erwarten darf, die ein Bruder im Geiste der RTL-Serienstars Dr. House (eigenbrödlerisches Artzgenie) und Monk (psychopathischer Superdetektiv) und Pro-Sieben-Motzki und Abteilungsleiter-Ekel Stromberg ist. Faber ist fertig, schluckt Antidepressiva, ist scheinbar Menschenfeind und trotzdem Menschenkenner - und eine echte Bereicherung für das „Tatort“-Personal.

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Dortmund. Kohlenpott. In diesem großen Revier, zusammengehalten durch ein Gewimmel an Stadtautobahnen, hatten schon die Faber-Kollegen Haferkamp und Schimanski für eigene wie eigenwillige Akzente unter den „Tatort“-Ermittlern gesorgt. In „Tatort: Alter Ego“ spielt Hartmann einen Ermittler, der so kaputt, so befremdlich ist, dass er schwerlich Freunde finden wird. Eventuell wird es auch dauern, bis er Freunde vor der Mattscheibe gefunden hat, denn die Figur des Kommissars Faber ist nicht gerade leicht verdaulich angelegt.

Aber genau das hat für mich den Reiz dieses „Tatorts“ ausgemacht. Vielleicht ist ja der Rhurpott so wie Faber. Auf den ersten Blick abweisend, unnahbar, dann aber auch wieder mit überraschendem Verständnis für alles Menschliche. „Alter Ego“ war die erste Folge einer hoffentlich munter weiter wachsenden Serie von „Tatort“-Folgen aus Dortmund.

Die Geschichte von den Morden an Homosexuellen ist spannend, bietet Überraschungen, auch wenn mir der Firmenchef gleich als wahrscheinlicher Täter aufgefallen ist. Fast noch spannender fand ich die Geschichten innerhalb des Ermittlerteams. Ich tippe übrigens darauf, dass sich Faber und Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) bald näher kommen. Zumindest so nahe, wie es die Figur des kaputten Kommissars erlaubt. Hoffentlich sind die Quoten so gut, dass der Dortmunder „Tatort“ noch länger zu sehen sein wird, denn ich habe den Verdacht, dass Faber nicht genug Mainstream für das Sonntagabendcouch-Publikum ist.

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