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TV-Kolumne PZ-zapp

pz-zapp-15-tok-negativ © Fotolia/Seibel/Dietz
30.10.2017

PZ-zapp: Horror-"Tatort" bereitet beim Zuschauen ungewollte Höllenqualen

Das war der absolute Horror. Schrecklich. Grausam. Es gibt Sonntagabende, da liegt ein Fluch auf TV-Kritikern, da müssen sie Albträume erleben, ohne aus dem Grusel entkommen zu können. Wer sich den Geisterhaus-Krimi „Tatort: Fürchte dich“ aus Berufsgründen bis zum Ende anschauen müsste, erlebte eineinhalb Stunden lang ungeahnte Fernsehqualen. Selten einmal vermittelte ein „Tatort“ so viel Glücksgefühle, als es darum ging, den Abspann zu überspringen und umzuschalten.

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Der Krimititel „Fürchte dich“ war Programm. Nein, dabei ging es nicht um die Schauer, die einem grausame Szenen aus der Vergangenheit und noch grausamer geschminkte Gestalten aus dem Totenreich über die Gänsehaut jagen. Furcht verbreitete die überaus banale, stereotypische Inszenierung des Horrors eines alten Verbrechens, das mehr als ein halbes Jahrhundert später immer noch Denken und Handeln der Betroffenen prägt. Fürchten musste man sich vor dem nächsten C-Movie-Einfall der „Tatort“-Macher, vor dem nächsten albernen Filmzitat aus dem nächsten angestaubten Horror-Blockbuster aus den Billigstudios in Hollywood.

Dabei wäre der „Tatort“ ohne den ganzen Höllenspuk-Klamauk wie Gewitter, Nebel, platzende Glühbirnen, knarrende Türen und verzerrte Stimmen aus von Höllenwesen besessenen Menschen sicherlich ungleich spannender gewesen. Wer gruselt sich heute noch vor Zombies, von denen man annehmen muss, dass sie für einen Unfallsimulationskurs des Deutschen Roten Kreuzes geschminkt wurden? Schade, dass der omnipräsente Nebel nicht noch dichter war und sich nicht über jede einzelne Szene gelegt hatte. Der ganze parapsychologische Kram war einfach ein totaler Fehlgriff.

Die Geschichte hätte man nämlich auch ohne billige Effekthascherei packend erzählen können – und dann wäre der „Tatort“ wohl wirklich gruselig geworden. Die Leiterin eines Kinderheims ertrinkt, weil sich Kinder einen makabren Streich erlauben. Der Sohn der Heimleiterin rächt sich mit kleinen Gemeinheiten an den anderen Kindern. Als er dann etwas Gutes tun und ein kleines Mädchen vor dem pädophilen neuen Heimleiter retten will, tötet er sie aus Versehen. Das passt zwar so nicht wirklich, der Tötungsakt wirkt an den Haaren herbeigezogen, aber daraus hätte man ein Geflecht aus Schuld und Sühne weben können, dessen Horror darin bestanden hätte, das Menschen ihre Albträume und dunklen Geheimnisse ein Leben lang nicht abschütteln können, dass sie sich davon zu schrecklichen Taten leiten lassen. Stattdessen muss der Zuschauer Höllenqualen leiden, weil der Kern der Story im Gruselfilmsumpf Marke öffentlich-rechtlicher Halloween-Trash untergeht.

Den „Tatort: Fürchte dich“ hätte man sich schenken können. Da gibt es nur eine Wertung: Der Daumen zeigt nach unten.

HWB
30.10.2017
PZ-zapp: Horror-"Tatort" bereitet beim Zuschauen ungewollte Höllenqualen

Juhu alles richtig gemacht gestern Abend! Schöne Flasche Wein, leise Musik, gute Unterhaltung... mehr...

helmut
30.10.2017
PZ-zapp: Horror-"Tatort" bereitet beim Zuschauen ungewollte Höllenqualen

Diese Höllenqualen erspar ich mir. Schaue mir weder den Tatort noch andere Krimi-Horror-und Actionfilme an. Am Schluss ist man immer enttäuscht. Verlorene Zeit und reine Volksverblödung. mehr...

Faelchle
30.10.2017
PZ-zapp: Horror-"Tatort" bereitet beim Zuschauen ungewollte Höllenqualen

Die lassen doch kein Genre aus, bin gespannt wann es einen "Western" Tatort gibt. mehr...