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TV-Kolumne PZ-zapp

23.04.2018

PZ-zapp: Im starken Falke-"Tatort" steht das Ermittlerteam auf dem Prüfstand

Ob sie beide jemals ein ganz entspanntes Kollegenverhältnis haben werden? Nach dem eindrucksvollen, spannenden „Tatort: Alles was sie sagen“ sah es jedenfalls so aus, als könnten die Bundespolizisten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz) in Zukunft vielleicht doch spannungsfreier und vertrauter gemeinsam ermitteln.

Bis zu dieser Wende in ihrem schwierigen, von Misstrauen und Missverständnissen durchsetzten Verhältnis lösen sie durch eine von zahlreichen Überraschungen und einsame Verhöre geprägte Teamarbeit einen Fall, der mit dem Wahrheitsgehalt von Wahrnehmungen und Erinnerungen spielt. Ein hochrangiger Lüneburger Polizist (Jörn Knebel) befragt Falke und Grosz einzeln. Schließlich geht es um einen tödlichen Schuss, der bei einem Polizeieinsatz fiel, und um die Frage der Autorisierung von Ermittlungen, um Zuständigkeiten zwischen Bundespolizei und den Beamten aus Lüneburg.  Da werden Jäger plötzlich zu Gejagten.

Und dann gibt jeder seine eigene Wahrheit zu dem Schuss und seiner Vorgeschichte preis. Und als Zuschauer ist man nicht sicher, ob das gerade Gesehene und Gehörte der Realität entspricht, ob die Aussagen nicht doch ein bisschen geschönt oder glatt gelogen sind, ob hier jemand den Kollegen in die Pfanne hauen oder am Ende doch schützen will. Es gibt reichlich Rückblenden, und auch diese tragen nicht immer eindeutig den Stempel der absoluten Klarheit und Wahrheit.

Bald schon aber kann man erahnen, dass nicht alle beteiligten Figuren das sind, was man von ihnen erwartet. Der einst in einer libanesisch-syrischen Terrormiliz aktive und deshalb in Deutschland von der Polizei gesuchte junge Abbas Khaled alias Tarek Salam (Youssef Maghrebi) ist kein blutrünstiger Killer, sondern ein zwangsverpflichter, sanftmütiger Homosexueller, der sich als Koch der Miliz vom Morden abzusondern vermag. Und dann sind da noch Polizisten, von denen man nicht sagen kann, ob sie Maulwürfe sind, die mit dem immer eindeutig bösen Drogendealer Al-Shabaan (Marwen Moussa) kooperieren, weil sie auf seiner Gehaltsliste stehen. Und es bleibt bis zum Schluss unklar, ob Falke und Grosz tatsächlich als auf den Prüfstand geschicktes Ermittlerteam funktionieren und sich vertrauen können.

Die ursprüngliche Fahndungsaktion ist aus dem Ruder gelaufen, die polizeiinternen Untersuchungen dazu führen nicht viel weiter und die folgenden Ermittlungen zwischen Observation und Razzia sind eher holprig. Am Ende jedoch sitzen die beiden Bundespolizisten im Auto und lächeln. Der Maulwurf in der Polizei ist geschnappt, das dunkle Imperium des Drogendealers zerschlagen, der ehemalige Milizkoch wieder frei und in Sicherheit. Und in diesem letzten Moment im Auto hat man das Gefühl, als seien Falke und Grosz zumindest in der Polizeiarbeit doch ein großartiges Team und kann vom Sofa aus dabei mitlächeln.

Ein spannender, nicht alltäglicher Krimi, in dem die Verhöre nicht das übliche Good-Cop-Bad-Cop-Spielchen imitieren, sondern eine zentrale, den Film inhaltlich vorantragende Rolle einnehmen. Sehr gut gemacht. Da kann es nur eine Wertung geben: Der PZ-zapp-Daumen geht steil nach oben.