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© Fotolia/Dietz
15.02.2016

PZ-zapp: Leblose Jugendszenen im "Tatort: Du gehörst mir"

Seit Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) nicht mehr mit ihrem Kollegen Mario Kopper (Andreas Hoppe) in einer Wohngemeinschaft lebt, seit sie unter Burnout-Folgen und er unter dem Alleinsein leidet, seit die LKA-Beamtin Johanna Stern (Lisa Bitter) zusätzlich für Stress und miese Stimmung im ganzen Team sorgt, kann ich die Ludwigshafener „Tatort“-Krimis nicht mehr entspannt anschauen. Und der aktuelle „Tatort: Du gehörst mir“ hatte noch andere Schwächen.

Es geht um Rapper und Anabolika, um eine brutale Vergewaltigung und die blutige Rache für dieses Verbrechen. Ein Bodybuilder hat eine hoffnungsvolle junge Tänzerin vergewaltigt und ins Koma geprügelt. Ein Fitnessstudio-Kumpel stand Schmiere. Einer wird brutal mit dem Auto getötet, ein anderer mit einem in der Mucki-Bude vergifteten Drink. Relativ spät kommen die Ludwigshafener Ermittler dahinter, dass die anabolen Steroide, die beim ersten Toten gefunden wurdem, nichts mit dem Mord an dem Bodybuilder zu tun haben. Dann rückt der Hispano-Rapper (Matthias Weidenhöfer) als Verdächtiger in den Vordergrund. Der harte, coole Typ mimt den Macho und weint dann heimlich über seine verlorene große Liebe. Am Ende war es die beste Freundin des Vergewaltigungsopfers, die einen Rachefeldzug gestartet hat, um das schlechte Karma von ihrer im Koma liegenden Freundin abzuwenden.

Das war eigentlich schon nach der ersten Szene abzusehen. Dazwischen gab es reichlich Betroffenheitsmomente und Kollegenzoff. Und irgendwie sollte alles so jung und modern wirken. Die Sexszene im Fitnessstudio sollte als Handyvideo nur den „Fame“ auf Facebook erhöhen, der extra harte Rapper hat Metall an den Zähnen und trennt sich nie von seinem Käpple und die Bodybuilder schlucken alle anabole Steroide und belästigen junge Frauen. Da treffen junge Szenen aufeinander, die alle mehr oder minder scherenschnitthaft gezeichnet werden und so auch etwas leblos bleiben. Und der Zoff im Team wirkt auch nicht sonderlich realistisch, sondern irgendwie aufgesetzt, so als müsste man dem müden Ludwigshafener „Tatort“ eine Frischzellenkur verpassen.

Neben den berührenden Momenten im Krankenhaus, wenn die Mutter um das Leben ihrer Tochter kämpft und entscheiden muss, ob die das Leben erhaltende Maschine abgestellt wird, gibt es reichlich Leerlauf. Mit viel guetm Willen reicht es für diesen „Tatort“ gerade noch zu einem Mittelmaß-Daumen.

Wer den zentralen Song des Films noch einmal hören und sehen möchte, braucht nur hier das Video anzuklicken.