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TV-Kolumne PZ-zapp

pz-zapp tok mittelmaß © Fotolia/Dietz
29.09.2014

PZ-zapp: Liebestoller, aber spannungsarmer Kölner "Tatort: Wahre Liebe"

Was macht eine gute Beziehung aus? „Meine Frau und ich schlafen zum Beispiel beide gerne bei offenem Fenster“, erklärt Kriminalhauptkommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) seinem Ermittlerkollegen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt). So einfach ist das mit der wahren Liebe. Doch wie findet man sie? Heutzutage wird sie vom Computer eines Dating-Portals berechnet. Dass das nicht immer funktioniert, zeigt der Kölner „Tatort: Wahre Liebe“.

Irgendwie scheinen alle in diesem „Tatort“ von Amors Pfeil getroffen oder von der Liebe total verblendet oder aufs Tiefste enttäuscht zu sein. Frühlingsgefühle mit unterschiedlichen Vorzeichen in Köln. Und ständig fliegen Herz-förmige Luftballons bedeutungsschwanger durchs Bild, wobei sie zuweilen eher an Bluttropfen, denn an Symbole der Liebe erinnern.

Selbst bei der Mörderjagd kann sich das ausnahmsweise einmal von der Last des Bösen befreite Duo nicht vor aufkeimenden zarten Gefühlen retten. Schenk flirtet ganz vorsichtig mit der Dame eines Escort-Services, die vorgibt, mehr über ihre Männerbekanntschaften zu wissen als die Ehefrauen ihrer Kunden. Der eher wortkarge Ballauf übt sich im Internet mit dem geschriebenen Flirt. Dabei hat Psychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) gerade wieder ins Ballauf-Bett unter dem großen Fenster zurückgefunden.

Dass Schenk/Ballauf nebenbei noch in einem Mord ermitteln müssen, könnte man bei all dem Geturtel und Geschmachte und dem allgegenwärtigen Liebeskummer fast vergessen. Die Chefin von „Lovecast“ hat einen Algorithmus entwickelt, der aufzeigen soll, welches Maß an Übereinstimmung potenzielle Partner haben. Persönlich hat ihr das nicht viel geholfen, denn sie wird erschlagen.

Von dem Mann, der trotz hoher übereinstimmender Beziehungspunkte von seiner Frau verlassen wurde? Von der Frau, die bei „Lovecast“ einem Betrüger aufgesessen ist, der sie trotz Liebesschwüren finanziell in den Ruin getrieben hat? Von ihrem eigenen Ehemann, der gewusst hatte, dass ihn seine Frau betrog? Von dem „Zauberer“ genannten Schwindler, der „Lovecast“ für seine dunklen Zwecke nützt und dessen betrogene Liebschaften ihn immer noch als einfühlsamen Feingeist oder wilden Hengst loben und am liebsten zurückhaben möchten?

Nein, es war der Hausmeister. Aber der wirkt nicht so animalisch oder erotisch oder sonst irgendwie anziehend, dass man eine verbotene Liebe zwischen ihm und der Chefin vermuten könnte. Aber das ist noch lange nicht alles, was irgendwie nicht stimmt in diesem „Tatort“. Die Geschichte mutet sehr bemüht und irgendwie zusammengeschustert an. Es gibt viele, zuweilen auch überraschende Wendungen, aber so richtig Hochspannung baut sich nicht auf. Das kann auch die neue Assistentin (Kathie Angerer) nicht verhindern, die mit kindlich piepsiger Stimme dem „Zauberer“ auf der Spur ist und ihm nur mit Mühe entkommen kann.

Das ist alles ganz nett und endlich zeigen sich Ballauf und Schenk mal nicht von der Erdenschwere und ihrer sonst stets präsenten Betroffenheit erdrückt. Aber nett ist nicht gleich gut. Der „Tatort: Wahre Liebe“ hat zwar einige schöne Szenen, aber letztlich plätschert er so dahin. Dehalb gibt es in der PZ-zapp-Wertung nur einen Mittelmaß-Daumen.