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© Fotolia/Dietz
07.12.2015

PZ-zapp: Mäßiger Münchner "Tatort" zwischen Traumata und Suizid

Manchmal, so zeigt es der Münchner „Tatort: Einmal wirklich sterben“, kann das Überleben schlimmer als der Tod sein. Zum Beispiel wenn man die Tochter eines Mannes ist, der die Mutter und den kleinen Bruder tötet, dann die Waffe auf das Mädchen richtet, um sie doch noch laufen zu lassen, während der Rest der erschossenen Familie im Ehebett platziert wird. Der erweiterte Suizid des Mannes geht schief, der Vater überlebt. Seine Tochter zieht sich von allen und allem zurück. Für sie hat mit dem Überleben ein Alptraum zwischen Traumata und Flashbacks begonnen, zwischen der Flucht vor schmerzenden Tagträumen und vor verständnislosen Menschen.

„Ich ertrag das nicht mehr“, sagt die Überlebende und wünscht sich ein endgültiges Verschwinden dieser immer wieder aus der Vergangenheit zurückkehrenden und peinigenden Bilder. Ihre lesbische Freundin, eine knallharte, alle Probleme des Lebens offensiv angehende Kampfsportlehrerin, will ihr beim Vergessen helfen, erzwingt eine Gegenüberstellung und stürzt dabei die Überlebende des ersten Familiendramas vor 15 Jahren in ein neues, ebenfalls blutiges Familiendrama, das schon wieder ein kleines Kind traumatisiert zurücklässt. Dass dieser damalige erweiterte Suizid des Vaters eine Wiederholung mit den beiden Überlebenden findet, macht die Geschichte allerdings nicht unbedingt glaubwürdiger.

Bis zum Finale spielt die in ihrer eigenen Alptraumwelt gefangene und wie eine Untote durchs Leben schleichende Emma (Anna Drexler), das „Schneeflöckchen“ ihres Vaters, die gestörte junge Frau sehr eindrucksvoll. Gegen Ende wird es dann auch unter Mithilfe der Kampfsportlerin eher chaotisch. Und wo tauchen jetzt eigentlich die „Tatort“-Ermittler Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) auf?

Mir kam es so vor, als seien sie nur Staffage in einem Psychodrama gewesen, das sich auch ohne sie entwickelt hätte. Eher schon sorgen sie für ein heiteres Element, wenn sie ungern, aber doch mit einer gewissen Portion Empathie bei der Mutter eines Polizisten in der guten Stube sitzen und sich ein Vesper aufdrängen lassen, damit die immer noch trauernde Frau sich an einem Polizei-Umfeld festklammern kann. Deshalb läuft bei dieser einsamen, sich an den verblassenden Resten einer vermissten Vergangenheit festhaltenden Frau trotz Verbots der Polizeifunk. Etwa so wie bei anderen eben Helene Fischer atemlos aus dem Schlagerradio dudelt.

Dieser Münchner „Tatort“ entwickelt sich eigentlich recht spannend, zeigt mit eigenen Bildern die Seelenqual des überlebenden „Schneeflöckchens“. Das gelingt recht gut bis zum irgendwie nicht stimmigen Finale. Nur: Batic und Leitmayr hätte man für diesen Film eigentlich gar nicht benötigt. Vielleicht, weil dieses Ermittlerduo schon so in die Jahre gekommen ist, dass sie sich stark abgenutzt haben und nahezu unsichtbar geworden sind. Vielleicht auch, weil ich kein Fan der beiden bin. Egal, es reicht für den „Tatort: Einmal wirklich sterben“ in der PZ-zapp-Bewertung mit viel Wohlwollen gerade für einen neutralen Mittelmaß-Daumen.