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TV-Kolumne PZ-zapp

© Marc Dietz
03.09.2012

PZ-zapp: Mitleiden, mitfiebern bei "Tatort: Fette Hunde"

„Was ist aus uns bloß geworden?“ Diese Frage stellt ein Afghanistan-Heimkehrer dem anderen. Und auch der Zuschauer staunt, leidet und fiebert mit. Was ist bloß aus den Soldaten geworden, die irgendwo weit im Niemandsland mitten in einem ungewinnbaren Krieg stecken, der hierzulande schon lange aus den Schlagzeilen verschwunden ist und eher als ökonomische Belästigung, denn als demokratische Aufgabe gesehen wird. „Fette Hunde“ heißt der Kriegsheimkehrer-„Tatort“, und er war überaus bewegend.

Max Ballauf (Klaus J. Behrndt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) albern sonst gerne einmal ein bisschen durch die Kölner „Tatort“-Folgen. Zuletzt waren die Krimis aus der Narrenhochburg etwas zu beliebig geraten. Auch in „Fette Hunde“ gibt es bei aller Düsternis Momente, die einen schmunzeln lassen. Etwa wenn das Ermittlerduo zusammengekuschelt den Rausch auf einer Matratze ausschläft oder sich Seite an Seite die Zähne putzt, oder wenn Ballauf sich in einem Stundenhotel unfreiwillig als Kunde einer Liebesdienerin outet.

Aber das ist nur gelungenes Beiwerk. Dieser „Tatort“ ist dicht gepackt mit menschlichen Schicksalen und Verstrickungen, in denen jeder zum Opfer von Weltpolitik, eigenen Gefühlen oder gesellschaftlichen Zwängen wird. Dabei zeigt der Film das nicht mit erhobenem Zeigefinger. Die Soldaten sind nicht einfach nur stereotype Posttraumatisierte. Sie sind Verlierer und verlieren im Laufe der rasant vergehenden eineinhalb Stunden noch mehr, bewahren sich dabei aber doch ihre menschliche Würde.

Letztlich ist es deshalb auch egal, ob die Geschichte tatsächlich so funktionieren könnte. Die Geschichte stimmt, weil sie gut und bewegend erzählt wird, weil die düstere, schaurige Atmosphäre einen in den Bann zieht. Weil man mit der Drogenkurierin mitfühlt, die Heroin im Bauch schmuggelt, durch das bereits ihr Bruder zu Tode kam. Auch wenn er letztlich erschossen wurde, um ihm den Darm mit den Heroin-Päckchen herausschneiden zu können. Ein wenig gruselig ist das schon. Aber auch nicht gruseliger als das, was die Soldaten ständig in Afghanistan erleben müssen. Doch auch daheim schwindet die Hoffnung auf ein bisschen Glück, wenn Ehen zerbrechen, Kinder sich abwenden, wenn das Altvertraute plötzlich fremd geworden ist.

Der Schluss des „Tatorts“ war vielleicht nicht ganz befriedigend, aber das sollte niemand davon abhalten, „Fette Hunde“ noch einmal in der Wiederholung zu sehen. Wenn Ballauf und Schenk so weitermachen, wird Köln wieder zur „Tatort“-Hauptstadt.

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