nach oben

TV-Kolumne PZ-zapp

16.02.2015

PZ-zapp: Müder "Tatort" mit fader Simone Thomalla

Ein von obskuren Rache- und Sühnephantasien getriebener Ex-Häftling schlachtet seine Familie ab und bringt dabei durch perfide Methoden andere als Täter in Verdacht. Und am Ende will er selbst als Opfer für seine Jahre zurückliegende Untat getötet werden. Blut spritzt reichlich, doch mitreißend wirkt dieser vorletzte „Tatort“ aus Leipzig nicht. Die Ermittler Saalfeld (Simone Thomalla) und Keppler (Martin Wuttke) zeigen keinerlei Regungen – die eine, weil sie es nicht kann, der andere, weil er nicht mehr will.

Im April wird der Leipziger „Tatort“ abgewickelt. Trauer löst das nicht bei mir aus. Zu schlecht spielte Simone Thomalla, die am Sonntag im „Tatort: Blutschuld“ zu keinerlei Mimik mehr fähig schien. Über Twitter haben deutschlandweit Fans des Sonntagabendkrimis über das irgendwie geschwollene, unter dem langen Pony verborgene Gesicht der einsilbigen Kommissarin gerätselt, die wahrscheinlich die wenigsten Sätze aller „Tatort“-Ermittler sagen durfte. Und selbst diese Minimaldialoge wirkten irgendwie hölzern. Aber auch ihr Kollege Keppler hat mächtig abgebaut. Anfangs gefiel mir dieser kaputte Typ, doch zuletzt wirkte er immer lustloser.

Da stürmen Polizisten ein Büro, in dem ein Mann von der Decke hängt, einer schreit, dass man schnell einen Notarzt holen müsse und geht weiter, ohne das Opfer auf mögliche Lebensspuren zu untersuchen. Auch Keppler kommt gemächlich hinzu, spielt an den Fingerspitzen und merkt an, dass man keinen Notarzt mehr benötige. Schöne Menschenretter. Ein schneller Schnitt mit dem Taschenmesser am Seil und etwas eingehendere Untersuchungen möglicher noch aktiver Körperfunktionen wären wohl eher angebracht gewesen. So baumelt der Schwiegersohn des zuvor ermordeten Abfallunternehmers einfach so vor sich hin. Viel Gewalt, viel Blut – und doch so wenig Mitzittern. Ob das im April beim Leipziger Abschieds-„Tatort“ noch einmal besser wird?

Kurios und irgendwie passend: Im Auslauf-„Tatort“ aus Konstanz, der 2016 eingestellt wird, war Uwe Bohm der Bösewicht, der zwar nicht gemordet, aber die Steuer betrogen hatte. Und weil es anscheinend so schön war, mimte Bohm eine Woche später in Leipzig schon wieder den bösen Buben, der ebenfalls nicht der Mörder war, dafür aber den Killer blutig geschlagen hatte. Ob Uwe Bohm immer dann im „Tatort“ auftaucht, wenn die müden, lustlosen Ermittler ihr Ende nahen sehen?

In Sachsen wird aber auch weiterhin für die „Tatort“-Reihe ermittelt, nur eben jetzt in Dresden. Ein reines Frauenteam wird hier die bösen Buben jagen. Hier wird einmal mehr auf die Jugend gesetzt, wobei auch beim Erfurter „Tatort“ ein junges Team die Zuschauer neu für den guten, alten ARD-Dauerbrenner begeistern sollte. Doch die leblosen, amateurhaft wirkenden Erfurter Krimis waren noch eine Portion schlechter als die Leipziger „Tatort“-Filme. Nur gut, dass nach zwei Sendungen Schluss war. „Tatort“ und Osten, das passt nur in Weimar mit Christian Ulmen und Nora Tschirner. Die sind jung, frech, witzig und spielen in einer eigenen Liga.

Stichwort „eigene Liga“: In Bad Wildbad müht man sich weiterhin darum, beim Südwestrundfunk auf das kriminelle Potenzial der Kurstadt und der Region Nordschwarzwald hinzuweisen. Selbst das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet in seiner jüngsten Ausgabe darüber. Meiner Ansicht nach könnte ein „Tatort“-Ermittlerteam durchaus in Pforzheim, Bad Wildbad und im gesamten Nordschwarzwald auf Verbrecherjagd gehen. Doch beim SWR hüllt man sich in Schweigen.

Ihre "Tatort"-Post ist uns ein Buch wert

Sie wollen regelmäßig einen „Tatort“ aus unserer Region im Fernsehen sehen? Dann schreiben Sie uns einen Satz, der Ihren Wunsch oder Ihre Unterstütztung ausdrückt. Einsendeschluss ist am Mittwoch, 25. Februar. Unter allen Einsendern verlosen wir zehn Taschenbücher „Tatort - Das Buch: 999 x Krimi, Kult & Kurioses“.

Schicken Sie uns Ihren Satz per E-Mail an internet@pz-news.de