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TV-Kolumne PZ-zapp

© Fotolia/Dietz
18.05.2015

PZ-zapp: Neuer Frankfurter "Tatort: Kälter als der Tod" mit gutem Einstand

Jede Familie hat so ihre Geheimnisse und ihre schwarzen Schafe. Aber im neuen Frankfurter „Tatort: Kälter als der Tod“ mit dem neuen Ermittlerteam Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) wird uns eine extreme Familiengeschichte serviert, in der Kindesmissbrauch, Mord und jede Menge Lügen und dunkle Geschichten der Normalfall zu sein scheinen. Kein Wunder, das Vater, Mutter und Sohn erschossen und die Tochter verschleppt werden.

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So übertrieben und realitätsfern die Story auch war, so spannend wurde sie doch erzählt, ohne dass sich die Ermittler mit ihren eigenen Lebensgeschichten penetrant in den Vordergrund spielten, wie zuletzt – und leider – häufiger in „Tatort“-Filmen zu beobachten war. Dabei gab es reichlich skurrile Figuren rund um die ermordete Familie, deren heile Welt irgendwie ansteckend gewesen sein muss. Zum Beispiel für den jungen Nachbarn, der seinen teilzeitdementen und boshaften Vater pflegt, oder für den Paketfahrer, der Päckchen öffnet, um sich all das nachzukaufen, was die Postempfänger bestellt haben und sich so etwas vom Familienleben der anderen kopiert.

Dann ist da der Polizist und Schwager der ermordeten Mutter, der schon einmal aus Habgier einen alten Mann getötet hat, bei Prostituierten verkehrt und am Ende seine geknechtete Frau ermorden muss, weil sie ihm kein Alibi mehr geben will. Dass dieser Fiesling seiner Strafe nicht entgeht, liegt daran, dass die Familienmörderin beim Showdown wieder einmal um sich ballert. Die verwirrte junge Frau ist die verstoßene Tochter der von ihrem Opa vergewaltigten und geschwängerten und zu Filmbeginn erschossenen Mutter. Die heimlich von der Tochter eingeleitete Familienzusammenführung ist aus dem Ruder gelaufen.

Zugegeben, da kann man abends auf dem Sofa zwischen Bier und Chips schon einmal den Überblick verlieren. Die Premiere des Frankfurter Ermittlerduos Janneke/Brix war in der Tat starker Tobak, wirkte zuweilen etwas überkonstruiert und hatte dennoch viele gute Szenen und Momente. Beide sind neu im Morddezernat, finden sich aber prima zurecht, ohne die ganze Zeit mit der bedeutungsschwangeren, von der ganzen Last des Bösen erdrückten „Tatort“-Ermittlermine herumzulaufen. Sie sind (noch) keine psychisch deformierten Scheidungsopfer oder triefäugigen Alkoholiker. Sie haben sogar halbwegs gute Laune bei der Mörderjagd.

Dass beide auch einfühlsam und verständnisvoll sind, behutsam in die Seele des Zeugen oder des Verdächtigen blicken wollen (bevor sie plötzlich Klartext reden und zupacken), zeigen die Gesprächsszenen, in denen von der Gegenwart in die Vergangenheit zurückgeblendet wird und Janneke und Brix plötzlich an den diversen Tatorten und Nebenschauplätzen neben dem Verhörten oder Beichtenden stehen. Rekonstruktion als Rückblende mit stummen Begleitern – man muss solche filmischen Mittel mögen, um Gefallen am neuen Frankfurter „Tatort: Kälter als der Tod“ zu finden.

Letztlich gelingt es den Schauspielern Margarita Broic und Wolfram Koch die obskure und im Kugelhagel endende Familiengeschichte unaufgeregt und ziemlich glaubhaft zu einem Ende zu bringen, das zwar den klassischen „Tatort“ mit gesellschaftskritischem Anspruch und Betroffenheitspersonal vermissen lässt, aber dennoch Lust auf mehr macht.

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