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30.11.2015

PZ-zapp: Perfider Serienkiller gruselt schon wieder im Kieler "Tatort"

Nach drei mäßigen bis miesen „Tatort“-Filmen, vor denen ich mich zuletzt für PZ-news langweilen durfte, machte der Dienst am Sonntagabend vor dem Fernseher endlich wieder Spaß. Angekündigt als Fortsetzung eines der spannendsten „Tatort“-Filme der vergangenen Jahre hat mich der Kieler "Tatort: Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes" mit Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Kollegin Brandt (Sibel Kekilli) tatsächlich gefesselt. Solche Psychothriller zeigen, dass die ARD immer noch auf hohem Niveau Spannung erzeugen kann.

Umfrage

Soll der Serienkiller aus dem jüngsten Kieler "Tatort" wieder in einem neuen Fall zurückkehren?

Ja, das war echt spannend 29%
Bin noch unschlüssig 2%
Nein, zweimal reicht 40%
Mir egal 29%
Stimmen gesamt 260

Vor rund drei Jahren saßen die deutschen Krimifans Nägel kauend und den Atem anhaltend vor dem TV-Gerät. Ein eher harmlos anmutender, unauffälliger Paketbote hatte sich laut- und fast spurlos in das Leben von fremden Frauen geschlichen. Es fing so banal an. Da war der Spanner, der sich in den Wohnungen seiner Opfer umsah, der auf vom Opfer unbemerkte Art in den privatesten Bereich der Frauen eindrang, alles berührte, an allem roch und schmeckte und sogar die Zahnbürste ableckte. Diese kleinen Handlungen entpuppten sich als besonders perfide Verletzungen des Intimbereichs, als das, was wohl etlichen Zuschauern noch lange Angst einflößte und etliche dazu bewegte, jeden Abend noch einmal ganz genau nachzuschauen, ob alle Fenster und Türen auch wirklich abgeschlossen sind und niemand in der Schublade mit der Unterwäsche gewühlt hat.

Bei seiner fehlgeleiteten Suche nach Nähe und Zärtlichkeit wurde der auf krankhafte wie grausame Art Liebe und Hilfe schenkende Kai Korthals (Lars Eidinger) zum Serienkiller. Doch wie es beim „Tatort“ so üblich ist, kam Borowski dem Frauenmörder auf die Spur. Aber wie es beim „Tatort“ die ganz große Ausnahme ist, konnte der Täter vor der alles klärenden, den Zuschauer Gerechtigkeit vermittelnden Inhaftierung fliehen.

Doch das Ende ohne die Rache des Staats in Form einer lebenslangen Haftstrafe oder Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt war nur aufgeschoben. Korthals ist zurückgekehrt. Und er ist nicht mehr alleine. Das Grauen hat sich vermehrt. Das erinnert an die letzte Einstellung von Horror- und Science-Fiction-Filmen, wenn die ganze Welt gerettet zu sein scheint und dann irgendwo im Verborgenen noch ein Ei des Monsters unbeachtet vor sich hinbrütet. Und das lässt irgendwie daran denken, dass uns dieser Fall aus Kiel in ein paar Jahren noch einmal beschäftigen wird. Warum nicht, wenn es dann so spannend bleibt, wie beim ersten und zweiten Fall.

Korthals wird Vater, doch an der Mutter, einer Borderlinerin, hat er kein nachhaltiges Interesse. Er bringt die fast schon dem Tod geweihte Frau in einem Kühlschrank aus dem Haus ab und stellt den kuriosen Sarg am Strand ab. Sie wird gerettet und versucht, sich über im Wahnsinn gefertigte, wandfüllende Kohlezeichnungen verständlich zu machen. Die Kieler Kommissare müssen sich durch dieses Bilderrätsel kämpfen. Kollegin Brandt fühlt, dass Korthals wieder zugeschlagen hat, während Borowski das Serienmorden wohl lieber verdrängen, denn erkennen möchte. Aber Korthals drängt sich mit aller Macht ins Leben des Kommissars. Rachegefühle treiben den Psychopathen um, der anfangs nur ein ganz normales Familienleben mit seinem Kind führen wollte. Das Ziel von Korthals: Die große Liebe von Borowski, seine ehemalige Kollegin Frieda Jung (Maren Eggert). Und dann sind plötzlich Mörder und Kommissar ganz nahe beieinander.

Für diesen spannenden Psychothriller, der mich wieder an das Gute im „Tatort“ glauben lässt, gibt es den Nach-oben-Positiv-Daumen. Und wenn in ein paar Jahren tatsächlich ein dritter Teil in der ARD gesendet werden sollte, werde ich auf jeden Fall dabei sein.