nach oben
© Dietz
23.07.2012

PZ-zapp: Porno-Plausch und erotische KSC-Spieler

Nein, ein Tabubruch ist es schon lange nicht mehr, wenn zwei erwachsene Menschen vor laufenden Kameras über Sex reden: 13 Jahre nach Verona Pooths (ehemals Feldbusch) Ende beim RTL2-Talk „Peep!“ haben nun auch die Altvorderen vom Mainzer Lerchenberg gemerkt: Sex bringt Quote. Ja, das Manöver des als Seniorensender gescholtenen ZDF ist durchschaubar. Und doch: Für „Im Bett mit Paula“ seien dem Zweiten die Jahrzehnte der Prüderie verziehen.

Bis 2004 plauderte Lilo Wanders auf Vox über „Wa(h)re Liebe“, in den 90-ern beflügelte Verona Feldbusch (heute Pooth) mit „Peep!“ auf RTL 2 so manch jugendliche Phantasie. Nun versucht es also das Zweite Deutsche Fernsehen auf ZDF Kultur: An sechs Sonntagen bricht Paula Lambert, Kolumnistin beim Männer-Magazin GQ, im Gespräch mit je zwei halbprominenten Gästen das Tabu, das schon so lange keines mehr ist: Sex.

Zwar waren es auch an diesem Sonntag um 22 Uhr weniger die vorhersehbaren Fragen zwischen Dr.-Sommer-Team und Playboy-Berater, die dem jungen Format zum Prädikat „sehenswert“ verhalfen. Denn dass Schauspieler Dominic Boeer bei seinem „Ersten Mal“ 18 Jahre alt war, dass er kein Sexspielzeug mag und Hygiene „total“ wichtig findet – schön und gut. Doch Niveau und Neuigkeitswert hatte die Plauderhalbestunde auf Paulas Bett dank Bettpartnerin Nummer zwei: dem Transvestiten Gloria Viagra.

Der mal lockere, mal ernste Dialog zwischen geborener und gefühlter Frau war so ziemlich alles –tiefsinnig, politisch, intellektuell und ja, auch sexuell – aber nie langweilig. Politisch wurde Drag Queen Gloria Viagra etwa in ihrem Plädoyer gegen Privilegien für die klassische Ehe. Tiefsinnig und ehrlich, als sie Prosecco schlürfend über die Vor- und Nachteile sinnierte, wenn sie wegen ihren blond gefärbten Haaren, glitzernden Klamotten und viel nackter Haut auf das Sexuelle reduziert wird. Und als sie berichtete, wie ihre Mutter auf das Coming Out mit 20 Jahren mit den Worten „Jaja, das weiß ich doch schon“ reagierte, gelang auch die Melange aus Aufklärung und Komik.

Mit „Im Bett mit Paula“ zeigen die Herren vom Lerchenberg, dass sich anspruchsvolles Fernsehen auf der einen und Quotenhascherei durch anzügliche Themen auf der anderen Seite nicht ausschließen – ganz im Gegenteil: Mit den richtigen Gästen und einer mutigen Moderatorin können sie sogar einen Seniorensender erfrischend jung aussehen lassen. Und zumindest aus nordbadischer Sicht hatte selbst der ansonsten eher flaue Plausch zwischen Paula Lambert und Dominic Boeer noch etwas Erhellendes: Denn der Schauspieler entlockte der Moderatorin die Namen der Fußballer, mit denen sie sich in der Vergangenheit ein Stelldichein gewünscht hat: Neben Heiko Herrlich, Brian Laudrup und Otto Addo fiel ihr da auch der Name eines ehemaligen Profis des Karlsruher SC ein. Der habe zwar „dünne Beinchen“ gehabt und sei nur in einer Phase der „sexuellen Verwirrung“ das Objekt ihrer Begierde gewesen - und doch erfuhr der ZDF-Kultur-Zuschauer zu später Stunde: Manfred „Manni“ Bender war der Mann in Paulas Träumen. Simon Walter