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TV-Kolumne PZ-zapp

30.07.2012

PZ-zapp: Rote Karte für "Lothar - immer am Ball"

Lothar Matthäus war ein guter Fußballer. Rekordnationalspieler, Weltmeister, Weltfußballer. Einer der besten, die wir hatten. Da lasse ich nicht mit mir diskutieren. Nun ja, als Trainer ist er so schlecht, wie der Karlsruher SC gerade spielt. Also ziemlich schlecht. Und das auch noch drittklassig. Als Privatmensch habe ich ihn bislang nur von Zeitungsberichten her gekannt. Demnach müsste er, um einen passenden Fußball-Vergleich zu bemühen, in Sachen Reife, Intelligenz und sozialer Kompetenz in etwa das Niveau eines Amateurvereins haben.

Doch das Fernsehen hat uns sechs Folgen lang gezeigt, dass es bei Loddar noch eine Spielklasse tiefer geht. „Lothar – immer am Ball“ hieß die Personality-Doku, deren Szenen so echt und authentisch wirkten, wie die munter aus dem an sich recht hübschen Gesicht quellenden Lippen von Joanna, seiner tatsächlich schon volljährigen polnischen Geliebten.

Am Sonntagabend lief die letzte Folge. Eine Stunde lang quälende Langeweile, haarsträubende Mono- und Dialoge. Wäre der Fernsehabend nicht im Dienste der TV-Kolumne von PZ-news gestanden, hätte ich die Flimmerkiste schon nach zehn Minuten ausgemacht. Dann lieber Hemden bügeln oder Geschirr spülen.

Dabei darf man nicht einmal Loddar alleine die Schuld an diesem medialen Desaster geben. Er kann es halt nicht besser. Er wäre ja so gerne ein echter Star, aber in jedem Moment blitzt der mittelfränkische Spießer durch, der typische Fußballspieler-Kleingeist. Oh ja, er kann auch cool sein, wenn er Austern mit Ketchup und Tabasco isst oder auf der Rennstrecke in Oschersleben um die Kurven rast. Aber letztlich wirkt das alles immer nur aufgesetzt und künstlich inszeniert. Matthäus ist eher Weißwurst und Lederhose, denn Weltmann und High-Society-Aushängeschild.

Polyglott will er sein, aber seine fremdsprachlichen Ausflüge in Paris oder Ungarn muten nur peinlich an. Immerhin: Joanna versteht von allem ebenfalls immer nur die Hälfte. Und das reicht dann, um sich mit Lothar zu verstehen. Weniger scheint hier tatsächlich einmal mehr zu sein.

Insgesamt jedoch war das für eine Personality-Doku einfach zu wenig. Schaurig schlecht gespielte Szenen, die im Prinzip nur eins gezeigt haben: Bei dieser „Doku“ wurde nichts dokumentiert. Unter „Doku“ versteht man bei VOX das, was sich ein mäßig begabtes Produktionsteam unter massenkompatibler Unterhaltung vorstellt. Es muss eben nur doof genug sein.

Und Loddar ist voll in die B-Promi-Falle getappt. Hat sich wie ein Ochse am Nasenring zum Metzger führen lassen. Hat er denn keine guten Freunde, die ihn vor dieser Blamage gewarnt haben? Wer schützt eigentlich Lothar Matthäus vor sich selbst? Das Unterwäsche-Model Joanna ganz bestimmt nicht. Die spielt ja bloß maximal B-Klasse.

Der gruseligste Moment der einstündigen TV-Katastrophe: „Ich möchte nicht ausschließen, dass ich noch einmal heirate“, sagt Matthäus. Gruselig deshalb, weil dann wieder so ein privater Volksverdummungssender die Rechte an der Hochzeit kauft und eine Doku-Soap daraus macht.